Löschzug Spenge-Mitte erhält Wärmebildkamera

Hightechgerät für die Menschenrettung

P1040019Schlecht isolierte Hausfassaden lassen sich wunderbar mit einer Wärmebildkamera abbilden. Ein solches Hightechgerät kann aber auch für die Helfer der  Feuerwehr wertvolle Dienste leisten. Verqualmte Wohnungen lassen sich damit schnell und effektiv nach vermissten Personen abzusuchen oder versteckte Brandnester aufspüren. Der Löschzug Spenge-Mitte verfügt jetzt über eine Wärmebildkamera speziell für den Feuerwehreinsatz.

 

Bürgermeister Bernd Dumcke übergab das Gerät kürzlich ganz offiziell an Löschzugführer  Klaus Greulich. Gleichzeitig bedankte er sich für das bisherige Engagement der Einheit und verband damit die Hoffnung, mit der jetzigen Investition einen weiteren Beitrag für eine optimale Feuerwehrausrüstung leisten zu können.

Das neue Gerät werde künftig schwerpunktmäßig bei Brandeinsätzen vom Angriffstrupp mitgeführt, um vermisste Personen aufzuspüren und zu retten, berichtete Wehrführer Thomas Reschke. "Bei solchen Einsätzen entscheiden die ersten fünf Minuten des Einsatzgeschehens über die erfolgreiche Menschenrettung. Hier zählt jede Sekunde!" Die Zeitersparnis, so Reschke, könne, im Vergleich zu einem Einsatz ohne Wärmebildkamera, bis zu 75 Prozent betragen. Reschke machte damit deutlich, dass die Neuanschaffung im Hinblick auf die Sicherheit der Bürger äußerst sinnvoll sei.

Bei der Auswahl der Kamera wurde besonders auf eine einfache Handhabung geachtet und der für das Gerät vorgesehene Einsatzschwerpunkt berücksichtigt. "Ausgewählt wurde daher eine Kamera der Firma MSA AUER - Typ Evolution 5200HD", so Michael Fortmann, stellvertretender Wehrführer in Spenge. "Diese lässt sich sozusagen im Schlaf bedienen“, sagte Fortmann. Alle unnötigen Funktionen habe der Hersteller bewusst weggelassen. „Allzu viele Knöpfe verwirren nur, wenn es im Einsatzgeschehen hektisch zugeht.“ Das MSA-Gerät, so Fortmann, sei quasi die Optimallösung. Eine Arbeitsgruppe des Löschzugs hatte sich zuvor über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Kameramodelle informiert.

Die neue Wärmebildkamera wird sicherlich ebenso bei der Lagefeststellung, dem Aufsuchen von Brandnestern, bei Nachlöscharbeiten und Gefahrguteinsätzen wertvolle Dienste leisten. Das Gerät hat bereits seinen festen Platz auf dem Löschgruppenfahrzeug 24 (LF 24): Daniel Beckmann und Phillip Köster, beide Aktive des Löschzugs Mitte,  haben dazu eine spezielle Ladestation mit Schrank im Fahrzeug eingebaut. Die Kamera ist dadurch sicher verstaut und immer einsatzbereit.

"Die Beschaffung der Spezialkamera ist ein weiterer wichtiger Schritt, um das Atemschutzkonzept aus dem Jahr 2010 umzusetzen“, betonte Thomas Reschke.  Erklärtes Ziel sei es, in den nächsten Jahren alle Feuerwehreinheiten im Stadtgebiet mit einer solchen Kamera auszurüsten.  Nur so seien letztlich alle Spenger Bürger gleichermaßen abgesichert, sagte der Wehrführer.

 

Thomas Reschke (Feuerwehr Spenge)
Foto: Feuerwehr Spenge

 

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Bürgermeister Bernd Dumcke (r) übergibt die neue Wärmebildkamera an den LZ Spenge-Mitte.
Wehrführer Thomas Reschke, Löschzugführer Klaus Greulich, Daniel Beckmann, Phillip Köster
und Sebastian Ringels freuen sich über die sinnvolle Neuanschaffung.

 

Stichwort Wärmebildkamera (vereinfachte Darstellung)

 

Die Wärmebildkamera macht sichtbar, was der Mensch sonst nur fühlt! So lässt sich die Wirkungsweise des Gerätes auf den Punkt bringen.

Die Wärmebildkamera macht sich dabei die so genannte Infrarotstrahlung zunutze. Intensive Infrarotstrahlung ist dabei nichts anderes, als die bei der Feuerwehr hinlänglich bekannte  Wärmestrahlung; eine Strahlung die zwar über die Haut, nicht aber vom menschlichen Auge wahrgenommen werden kann. Alle Gegenstände deren Temperaturen über dem absoluten Nullpunkt von minus 273 Grad Celsius liegen, also auch Eiswürfel oder Schneeflocken, geben infrarote Wärmestrahlung ab. Je höher die Temperatur eines Objektes ist, desto intensiver ist die von ihm abgegebene Infrarotstrahlung. Sie verhält sich ähnlich, wie die des Lichtes.

Die Wärmebildkamera erfasst die Infrarotstrahlung und zeichnet ein Bild von einem Gegenstand, indem sie dessen Wärmeverteilung widerspiegelt. Jede Temperatur wird farblich anders abgesetzt. Die Kamera bildet dazu mittels Infrarot-Sensor Temperaturdifferenzen. Jeder Bildpunkt wird dabei quasi mit seinem „Nachbarn“ verglichen. Der Sensor ermittelt beispielsweise für die Bildpunkte aus der Mitte einer Flamme hohe Temperaturen und relativ niedrige Temperaturdifferenzen. Die Flamme wird auf dem Bildschirm der Kamera hell abgebildet.  Anders sieht es am Flammenrand aus. Hier variieren die Temperaturen der benachbarten Bildpunkte von 20 Grad (Umgebung) bis 1000 Grad (Flamme). Die Konturen der Flamme zeichnen sich so durch die hohen Temperaturunterschiede (von sehr heiß nach sehr kalt) im Flammenumfeld auf dem Bildschirm ab.

Allerdings ist zu beachten, dass die Kamera nicht nur die Infrarotstrahlung des beobachteten Objektes aufnimmt. Die Strahlung von anderen Gegenständen in seiner Umgebung und die Eigenstrahlung der Luft zwischen Kamera und Objekt werden ebenfalls abgebildet und verkomplizieren die Sache. Mit zunehmendem Abstand nimmt die Intensität der Wärmestrahlung im Übrigen ab (sog. Dämpfung).

Es braucht daher einige Übung, um die „Wärmebilder“ zutreffend zu deuten und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Vo

 

 

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