Feuerwehrleute aus Enger üben in Münster

Außengelände des Instituts der Feuerwehr (IdF NRW) für intensive Ausbildung genutzt

2012-11-24_stude_03Feuerwehrleute lernen nie aus. Die Einsatzkräfte müssen ständig üben, um in unserer hoch technisierten Welt auf alle Notfälle vorbereitet zu sein. 20 Aktive der Feuerwehr Enger absolvierten jetzt ein Trainingswochenende am Institut der Feuerwehr in Münster. Die Termine auf dem Außengelände sind bei den Feuerwehren „heiß begehrt“. Es gibt eine Warteliste.

Beim Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen (kurz IdF NRW), der ehemaligen Landesfeuerwehrschule NRW, werden wochentags die Feuerwehr-Führungskräfte aus dem gesamten Bundesland geschult und ausgebildet. Am Wochenende steht das Gelände den öffentlichen Wehren kostenlos zur Verfügung. Sie können dort ihre Ausbildung selbständig  organisieren. Davon hat die Feuerwehr Enger nun nach 2008 zum zweiten Mal Gebrauch gemacht. 18 Monate hatten die Wehrleute auf den Termin warten müssen.

Früh morgens trafen sich die 20 Mitglieder der Löschzüge Enger-Mitte und Dreyen und fuhren gemeinsam Richtung Telgte – Handorf, bei Münster. Dort befindet sich das rund 2,5 Hektar große Areal des Instituts. Hier sind zahlreiche Bauten von der Tankstelle bis zum Hochhaus  zu finden. Auch Tiefbauunfälle können nachgestellt, Rettungsaktionen an einem Baukran trainiert und Evakuierungsaktionen von Wohnblöcken durchgeführt werden. Selbst ein „Campingplatz“ mit Wohnwagen ist vorhanden. Zentrum der Anlage bildet die Hauptstraße, auf der sogar eine Straßenbahn „verkehrt“. Doch die ausrangierten Wagen der Rheinbahn Düsseldorf befördern längst keine Personen mehr. Sie stehen jetzt ebenfalls im Dienste der Feuerwehr und erfüllen ihren Zweck für anspruchsvolle Übungen im Bereich der technischen Hilfeleistung. Vorteil der „Kulissenstadt“: Die Ausbilder können schnell zwischen den Übungsobjekten wechseln. Viel vorzubereiten gibt es nicht. Oftmals müssen nur die Statisten in Position gebracht und mit einer Nebelmaschine ordentlich Rauch erzeugt werden – schon kann die Löschgruppe anrücken und unter realistischen Bedingungen das Einsatzgeschehen „abarbeiten“.

Neben dem Außengelände steht übrigens die neue Übungshalle des IdF NRW mit einer Fläche von rund 7.000 Quadratmeter und einer Höhe von 30 Meter. Sie ist mit modernster Simulationstechnik ausgestattet. Das imposante Bauwerk wurde Anfang 2008 vollständig in Betrieb genommen. Die Halle ist allerdings an den Wochenenden nicht freigegeben, da dann kein fachkundiges Personal vor Ort ist, um die Anlage in Betrieb zu nehmen.

Die Ausbilder der beiden Engeraner Züge, Jens Hüsemann, Jens Meyer und Christian Keller, hatten sich zuvor auf ein Programm geeinigt. Am Vormittag stand zunächst eine Stationsausbildung auf dem Unterrichtsplan. Gruppenweise wurde die "taktische Ventilation", also die Entrauchung eines Gebäudes geübt. Ein besonderes Augenmerk legten die Ausbilder auf den Einsatz von "mobilen Rauchverschlüssen", die von den Einsatzkräften in dem dreigeschossigen „Wohnhaus“ vorzunehmen waren. Die Vorrichtungen sollen verhindern, dass sich der Rauch weiter ausbreitet und dadurch Rettungswege versperrt werden. Weiter ging es zum Übungsturm. Hier wurde die Steigleitung in Betrieb genommen und Löschwasser eingespeist. Außerdem konnte das Treppenhaus des sechsgeschossigen Gebäudes wunderbar genutzt werden, um einen Löschangriff vorzunehmen und das „Schlauchmanagement“ zu trainieren. Was ist zu tun, wenn der gefüllte Schlauch im Treppenhaus plötzlich fest hängt und von unten keiner nachschieben kann?

Am Nachmittag folgten mehrere kleine Einsatzübungen in Gruppenstärke. Die Brandbekämpfung und Menschenrettung standen im Vordergrund. Welche verschiedenen Möglichkeiten gibt es, um eine Person aus einer tiefen Baugrube zu retten? Vor dieser Aufgabe standen die Wehrleute später an anderer Stelle des weitläufigen Übungsgeländes.

Die beiden Löschzüge aus der Widukindstadt waren so den ganzen Tag über mit dem Tanklöschfahrzeug (TLF 16/25) und Löschgruppenfahrzeug (LF 16) in der „Kulissenstadt“ unterwegs. Der neue Einsatzleitwagen (ELW 1) diente als mobile "Leitstelle". So konnten  gleich die neuen OPTA-Funkrufnamen (OPTA = Operativ-Taktische-Adresse) geübt werden, die im Kreis Herford seit dem 21. November 2012 Verwendung finden.

Bis zur letzten Minute hatten die Engeraner das Übungsangebot am IdF genutzt. Am Ende waren die 18 Feuerwehrmänner und zwei Feuerwehrfrauen begeistert vom „Ausflug“ nach Münster. Es war schon dunkel, als man die Heimfahrt antrat. Das Wetter hatte den ganzen Tag mitgespielt, erst jetzt setzte Regen ein.

Jens Meyer, FFw Enger (Text)
Sven Stude, Jens Meyer (Fotos)

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Rettung einer Person aus einer Baugrube mittels Schleifkorbtrage

 

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Mittagspause am „Wohnheim“ auf dem Gelände

 

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Auf rund 2,5 ha gibt es reichlich Übungsmöglichkeiten

 

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Die „Leitstelle“ für den Tag: Der ELW 1 vom Löschzug Enger-Mitte.

 

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Während einer Einsatzübung: Gruppenführer Patrick Goebel bei der Befragung
einer „betroffenen Person“, die von Ausbilder Christian Keller gespielt wird.

 

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Probe einer „Crashrettung“ mit B-Schlauch aus der Baugrube

 

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Linda Janßen auf der 4teiligen Steckleiter vor dem Einstieg ins 2. OG

 

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Stationsausbildung: „Taktische Ventilation“

 

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Leiterentnahme während einer Einsatzübung

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