Leistung und Leiden jüdischer Feuerwehrleute

Leistung und Leiden jüdischer Feuerwehrleute
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Sonderausstellung im Deutschen Feuerwehr-Museum Fulda

Berlin/Fulda. Im November 1938 hatten die Nazis ihre menschenverachtende Propagandamaschinerie in Gang gesetzt. Während der Novemberpogrome, die mit der Reichskristallnacht ihren Auftakt nahmen, wurden unzählige Juden verhaftet und in den Tod getrieben, ihre Synagogen in Brand gesetzt, Geschäfte und Wohnungen geplündert. Die Sonderausstellung „Jüdisches Leben und Feuerwehr“ befasst sich mit den schrecklichen Ereignissen vor 75 Jahren. Sie ist noch bis Ende Oktober 2014 im Deutschen Feuerwehr-Museum in Fulda zu sehen.

Mit der Ausstellung soll in erster Linie an die bis zu 25.000 Feuerwehrmänner jüdischen Glaubens gedacht werden, die während der NS-Diktatur ausgegrenzt, entrechtet, verfolgt und ermordet wurden. Vor 75 Jahren markierte die Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden bis zu ihrer systematischen Verfolgung und Ermordung in ganz Europa.
„Pflichtbewusst und voller Stolz haben die jüdischen Kameraden ihr Ehrenamt im Dienst für den Nächsten ausgeübt“, sagte Hans-Peter Kröger, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DVF) und Vorsitzender des Deutschen Feuerwehrmuseums, anlässlich der Ausstellungseröffnung. Nach den Novemberpogromen seien sie vertrieben, deportiert und ermordet worden. „Mit der Ausstellung wollen wir uns ihr Schicksal und ihre gesellschaftliche Leistung in Erinnerung rufen und bewahren!“
Die Freiwillige Feuerwehr Lemgo aus dem benachbarten Lippe hatte das Museum bei der Konzeption der Sonderschau unterstützt. Zu ihren Hauptaspekten gehörten nach den Worten von Museumsleiter Rolf Schamberger, die Gleichschaltung der Feuerwehren durch Umwandlung in eine technische Hilfstruppe der Polizei, die Ausgrenzung der jüdischen Kameraden aus den Wehren, das unterschiedliche Verhalten der Feuerwehrleute während der Synagogenbrände und die Häftlingsfeuerwehr des Konzentrationslagers Theresienstadt (Tschechien). Im Zentrum der Ausstellung steht, stellvertretend für den Leidensweg vieler jüdischer Feuerwehrkameraden, der 1906 in Lemgo geborene Ernst Frenkel. Der Kaufmann hatte sich bereits in zweiter Generation bei der Feuerwehr engagiert. Er gehörte zur Mannschaft der Automobilspritze und war zudem als Vorturner im Sportverein TV Lemgo aktiv. 1934 wurde Ernst Frenkel aufgrund seiner jüdischen Abstammung vom Feuerwehrdienst ausgeschlossen. Während seiner vorübergehenden Inhaftierung im November 1938 im Konzentrationslager Buchenwald wurde er vom Wachpersonal sinnlos verprügelt und dauerhaft entstellt, nachdem er zuvor einem taubstummen Mithäftling helfen wollte. Frenkels Leidensweg endete 1943 mit der Ermordung im Warschauer Ghetto.
Am Ehrenmal der deutschen Feuerwehren im Feuerwehr-Museum Fulda wurde zur Erinnerung an den tapferen Kameraden Ernst Frenkel ein Gedenkstein in den Boden eingelassen. Er ist Teil des Projektes „Stolpersteine“, mit dem der Künstler Gunter Demnig an das Schicksal der Menschen erinnert, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden.

-Vo-

Quelle: DFV

Mehr Informationen? www.dfm-fulda.de

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Im Deutschen Feuerwehr-Museum in Fulda wurde ein „Stolperstein“ in den Boden eingelassen. (Foto: DFV)

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Er erinnert an Ernst Frenkel, einen jüdischen Feuerwehrkameraden aus Lemgo,
den die Nazis 1943 im Warschauer Ghetto ermordeten. (Foto: DFV)

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Während der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 wurden viele jüdische Gotteshäuser zerstört. Das Foto zeigt die ehemalige
jüdische Synagoge in Schönebeck (Elbe), die von den Nationalsozialisten in jener Zeit ebenfalls gestürmt,
entweiht und verwüstet worden war. (Foto: J. Vogelsang)

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