2018

Der bange Blick in den Rückspiegel!

Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik 2017 in Düsseldorf

Düsseldorf. Auf den NRW-Straßen gab es im vergangenen Jahr weniger Verkehrstote zu beklagen. Die Zahl der Unfallopfer sank im Vergleich zum Vorjahr um 40 auf insgesamt 484. Das ist der niedrigste Wert seit vier Jahren. „Trotzdem ist jeder Tote einer zu viel“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik in Düsseldorf. Sorge bereitet dem Minister  vor allem die zunehmende Zahl von schweren Lastwagenunfällen an Stauenden.

 

Während 2013 noch 135 solcher heftigen LKW-Unglücke registriert worden waren, weist die Statistik 2017 einen Anstieg auf 194 aus. Reul sprach von einer Erhöhung von rund 44 Prozent in nur fünf Jahren. Oftmals richteten die unaufmerksamen Fahrer mit ihren tonnenschweren Gefährten schlimmstes Leid an.  19 Menschen kamen allein im letzten Jahr bei diesen Unfällen ums Leben. Der bange Blick in den Rückspiegel an Stauenden sei angesichts dieser erschreckenden Zahl nicht unbegründet, sagte der Minister, der die unkontrolliert heranbrausenden Laster als Geschosse bezeichnete. Sie seien eine große Gefahr, die durch geeignete Maßnahmen gebannt werden müsse. Minister Reul macht sich für eine europaweite Verschärfung der Vorschriften für Notbremsassistenten stark. Es könne nicht sein, dass diese Systeme von den Brummi-Piloten per Knopfdruck wieder abgeschaltet würden. Reul. „Ein abgeschalteter Notbremsassistent ist sinnlos – deshalb gehört er abgeschafft!“ Der Minister kündigte außerdem gezielte Kontrollen des Güterverkehrs durch die NRW-Polizei an. Das sei Teil der neuen „Fachstrategie Verkehrsunfallbekämpfung“. Er appellierte an die besondere Verantwortung der Trucker: „Wer übermüdet hinter dem Steuer sitzt, riskiert leichtfertig Menschenleben!“

 

Die Zahl der schweren Unfälle, bei denen LKW ungebremst auf Stauenden auffuhren, hat in NRW zugenommen.
(Foto: Kreispolizeibehörde Herford)

 

Senioren verunglückten mit E-Bikes

Die Verkehrsunfallstatistik zeigt weiterhin, dass die Zahl der Schwerverletzten im vergangenen Jahr gesunken ist. Sie ging von 13.574 auf 13.331 zurück. Leicht gestiegen ist hingegen die Gesamtzahl aller Verkehrsunfälle. Sie lag 2017 bei 653.442 (2016: 640.027). Unter den Verkehrstoten befanden sich 84 Motorradfahrer – neun mehr als im Vorjahr. Die Zahl der getöteten Radfahrer sank von 57 auf 50.  Dafür stieg die Zahl der getöteten Fahrer von Elektrofahrrädern von zwölf auf 21. 18 von ihnen waren 65 Jahre oder älter.  Reul warnte vor den Gefahren des neuen Mobilitätstrends. Solche E-Bikes seien vor allem bei Senioren beliebt, die sich damit fit und mobil hielten. Es würden allerdings Geschwindigkeiten erreicht, die zur Überforderung und zu Fehleinschätzungen führen könnten. „Deshalb ist es gerade für Neueinsteiger wichtig, mit den Rädern zu üben!“ Reul empfahl die Teilnahme an Fahrsicherheitstrainings.  (IM NRW, Redaktion: kfv-herford.de)

 

                                                                                                                                                    -ns-    

 

Stichwort: LKW-Unfall

Die Rettung von LKW-Fahrern aus ihren zerstörten Fahrerkabinen erfordert für die Feuerwehr  oftmals einen großen technischen Aufwand. Die Zugmaschine eines Lastwagens besteht aus Fahrgestell und dem darauf gesetzten Fahrerhaus. Beide Bereiche sind lediglich an vier Stellen miteinander verbunden. Anders als bei einem PKW gibt es quasi keine Knautschzone. Nach der Frontverkleidung beginnt unmittelbar der Fußraum des Truckers. Aus diesem Grund sind die vier Aufhängungspunkte gleichzeitig als Sollbruchstellen konstruiert, die bei einem heftigen Auffahrunfall abreißen und damit eine Bewegung der kompletten Kabine nach hinten verursachen. Ein Fangbügel sorgt dafür, dass sie abgebremst wird und nicht vom Fahrgestell fällt. Auf diese Weise wird Energie abgebaut und Überlebensraum für den Trucker geschaffen. Um zwei aufeinander gefahrene LKW voneinander zu trennen, müssen die Einsatzkräfte sehr behutsam vorgehen. Sie dürfen auf keinen Fall an einem ungesicherten Fahrerhaus ziehen. Die Kabine des aufgefahrenen Lasters hat sich unter Umständen in das Heck des „Vordermanns“ verhakt und würde dadurch vom Fahrgestell rutschen. Für die Feuerwehr bedeutet dies: Bevor die Befreiung des Fahrers mit hydraulischem Rettungsgerät beginnen kann, muss zunächst der Zustand der Kabinen-Aufhängung überprüft werden. Sind die Sollbruchstellen abgerissen, besteht die Gefahr, das Fahrerhaus unbeabsichtigt mit der bloßen Hand in Schwingungen zu versetzen. Ein wirksames Sicherungsmittel sind Spanngurte, die über das Dach gelegt werden, um die Kabine fest auf dem Fahrgestell zu verzurren.  

                                                                                                                                                    -ns-