Gefahr durch Weltkriegsbomben noch immer nicht gebannt - Kampfmittelbeseitigungsdienst zieht Bilanz

Gefahr durch Weltkriegsbomben noch immer nicht gebannt - Kampfmittelbeseitigungsdienst zieht Bilanz

Düsseldorf. Die Experten des Kampfmittelräumdienstes haben im vergangenen Jahr in NRW 927 Bomben entdeckt und unschädlich gemacht. Im Einzelnen handelte es sich um 264 Sprengkörper ab einem Gewicht von 50 Kilogramm sowie Nebel-, Brand-, Splitter- und kleinere Sprengbomben.  Auch 70 Jahre nach Kriegsende ist ein Ende der Kampfmittelbeseitigung noch immer nicht abzusehen.

In 120 Fällen erkannten die Fachleute Weltkriegsbomben auf Luftbildern. Weitere 50 Blindgänger wurden entdeckt, weil Luftbildaufnahmen Verdachtsmomente lieferten. Die präventive Arbeit des Kampfmittelbeseitigungsdienstes, wie die Beratung von Bauherren, hat mehr an Bedeutung gewonnen, hieß es vom NRW-Innenministerium. Im vergangenen Jahr gab es landesweit 20.350 Anfragen von besorgten Bauherren. Die Munitionsexperten gingen daraufhin Verdachtsmomenten nach und überprüften in vielen Fällen den Baugrund. Die Luftbildauswertung spielt bei der Kampfmittelräumung eine herausragende Rolle. Die Alliierten hatten im 2. Weltkrieg zur Vorbereitung und Kontrolle ihrer Angriffe Aufklärungsfotos der betroffenen Regionen angefertigt. Etwa 330.000(!) dieser Bilder, die nach dem Krieg in britischen und amerikanischen Archiven aufbewahrt wurden, stehen heute für die Beseitigung der Altlasten zur Verfügung.  Rund 48 Prozent der alliierten Luftangriffe hatten sich auf NRW, als das industrielle Herz des ehemaligen Deutschen Reichs, gerichtet.
Die Kampfmittelexperten aus Arnsberg und Düsseldorf räumten im Jahr 2014 insgesamt 10.096 Sprengkörper. Zu den bereits erwähnten Bombenfunden kommen nämlich noch 7.059 Granaten, 1.024 Handgranaten, 148 Minen und 938 andere Sprengmittel hinzu. Acht Bomben mussten aus Sicherheitsgründen direkt vor Ort gesprengt werden. Innenminister Ralf Jäger erinnerte  daran, dass die Feuerwerker täglich ihr Leben riskierten. „Ich danke Ihnen ausdrücklich für Ihren Einsatz!“ Beispielhaft dafür steht die Sprengung einer Weltkriegsbombe am 29. April 2014 in Duisburg-Bruckhausen. Der Zustand des chemisch-mechanischen Langzeitzünders war von den Fachleuten als bedenklich eingestuft worden. Die britische Fünfzentnerbombe wurde deshalb direkt am Fundort zur Explosion gebracht. Zuvor hatten zahlreiche Helfer etwa 2.000 Menschen evakuiert. Erst im Februar 2015 hatte ein Feuerwerker eine 1000-Kilo-US-Fliegerbombe im benachbarten Minden entschärft. Der Patiententransportzug 10 (PT-Z 10) aus dem Kreis Herford rückte damals zur Unterstützung der Evakuierungsmaßnahmen aus. (Redaktion: kfv-herford.de berichtete.)   
Der staatliche Kampfmittelbeseitigungsdienst ist in NRW bei den Bezirksregierungen Arnsberg (für die Bezirke Arnsberg, Detmold und Münster) sowie Düsseldorf (für die Bezirke Düsseldorf und Köln) angesiedelt. Zur Vernichtung der aufgespürten Bomben und Granaten betreibt das Land in Ringelstein (Kreis Paderborn) und Hünxe (Kreis Wesel) Munitionszerlegungsbetriebe (MZB). Im letzten Jahr zahlte das Land rund 34,9 Millionen Euro, um Kampfmittel zu beseitigen und die Entsorgungstechnik zu modernisieren. (MIK NRW, Redaktion: kfv-herford.de)

-Vo-

Fundort Luftmine 04 Koblenz 2011Koblenz Dezember 2011: Experten des Kampfmittelräumdienstes untersuchen den Aufschlagzünder
einer 1,8 Tonnen(!) schweren Luftmine aus dem 2. Weltkrieg. (Foto: Holger Weinandt)

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