Mit eCall schneller am Unfallort

Einführung eines automatischen Notrufsystems wird immer wahrscheinlicher
(Hinweis: am 05.07.2014 aktualisiert)ecall-auto

Brüssel/Straßburg/Berlin. eCall, dieses Kürzel steht für emergency call (Notruf) und bezeichnet ein automatisches Notrufsystem. Geht es nach dem Willen der EU-Kommission, dann  soll  eCall ab 2015 bei neuen Automodellen in Europa zur Pflicht werden. Kommt es zu einem Verkehrsunfall, so löst das System automatisch Alarm aus und ruft Hilfe herbei. Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) und die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF Bund) begrüßen in einem gemeinsamen Positionspapier die Initiative aus Brüssel, denn: „Im Notfall zählen Sekunden!“

Auf einer einsamen Landstraße kommt ein PKW ins Schleudern und stürzt eine Böschung hinab. Die Insassen sind verletzt und können sich nicht mehr selbst helfen. Unfallzeugen gibt es nicht. Kein ungewöhnliches Szenario: Nach einem Verkehrsunfall sind die Betroffenen oftmals orientierungslos und nicht mehr in der Lage, eigenständig Hilfe herbeizurufen, sagt der DFV.  Das von der Europäischen Union (EU) geplante automatische Notrufsystem eCall könnte künftig in solchen Fällen für mehr Sicherheit sorgen, indem der Unfall automatisch gemeldet und die Rettungskräfte direkt alarmiert werden. 2.500 Menschen könnten durch die moderne Technik, die  von den Premium-Fahrzeugherstellern schon länger optional angeboten wird, pro Jahr gerettet werden, heißt es aus Brüssel.  Die Zahl der Verkehrstoten geht in Europa bereits seit einiger Zeit kontinuierlich zurück. Dennoch starben 2013 noch rund 26.000 Menschen auf den Straßen der EU.  Eine immer noch  erschreckend hohe Zahl.
Das Ortungssystem eCall besteht aus einer Mobilfunkeinheit in Kombination mit dem Satellitennavigationssystem GNSS (Global Navigation Satellit System). Es ist mit der  Sicherheitstechnik im Fahrzeug vernetzt und reagiert beispielsweise, sobald die Airbags auslösen.  Kommt es zum Crash wird ein „Minimaldatensatz“ an die zuständige „Notrufabfragestelle“ übermittelt, der unter anderem Fahrzeugposition, Fahrtrichtung und Unfallzeitpunkt, aber auch die  Anzahl der angelegten Sicherheitsgurte und den Fahrzeugtyp enthält.  Gleichzeitig wird eine Sprechverbindung zum Unfallfahrzeug aufgebaut. Die Fahrzeuginsassen können den Alarm auch manuell, also per Knopfdruck auslösen.
Notwendige Rettungsmaßnahmen können durch die neue Technik sehr viel schneller eingeleitet werden.  Ein Praxistest habe ergeben, dass in 90 Prozent aller Fälle eine Verbindung zur Notrufzentrale innerhalb von 25 Sekunden hergestellt worden sei, in 97 Prozent innerhalb von 45 Sekunden, heißt es beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.  Für den eCall  ist   die europaweite Notrufnummer 112 vorgesehen. In diesem Zusammenhang warnt der DFV  vor der Aufschaltung von eCall-Notrufen auf „Abfragestellen“ privater Betreiber.  Unabhängig von der Abfragequalität könne es hierdurch in jedem Fall zu einer Verzögerung bei der Alarmierung von Feuerwehr- und Rettungsdienstkräften kommen. „Notrufe bei Unfällen oder anderen zeitkritischen Notlagen müssen sofort und unmittelbar die örtlich zuständige Leitstelle für die Feuerwehr und den Rettungsdienst erreichen!“ Außerdem, so die Forderung des Verbandes, dürften den Kommunen als Betreibern der Leitstellen  keine Mehrkosten durch zusätzlich erforderliche neue Technik entstehen.  
Dass neue Fahrzeugmodelle in Europa künftig nur mit dem automatischen Notrufsignal ausgeliefert werden dürfen, scheint sicher. Anfang 2014 hat das EU-Parlament in Straßburg den entsprechenden Verordnungsentwurf der EU-Kommission mit großer Mehrheit angenommen. Jetzt müssen noch die Regierungen der einzelnen Mitgliedsstaaten überzeugt werden.  Der EU-Ministerrat hat dazu im Mai 2014 einen entsprechenden Verordnungsentwurf verabschiedet. Der räumt den Fahrzeugherstellern allerdings eine 36-monatige Übergangsfrist ein. Neue Fahrzeugmodelle sollen demnach von spätestens 2018 an mit dem neuen Ortungssystem ausgestattet werden, während der Entwurf der EU-Kommission bereits eine Einführung ab 2015 vorsieht. Die EU-Gremien müssen ihre unterschiedlichen Positionen zu dieser Frage und zu weiteren strittigen Punkten nun in den kommenden Verhandlungen in Einklang bringen.
Berlin befürwortet die Einführung des eCall-Systems übrigens ausdrücklich: Laut Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur unterstütze die Bundesregierung die europaweite Umsetzung des automatischen Notrufsystems.  Die Kosten für den Einbau von eCall sollen bei rund 100 Euro pro Fahrzeug liegen. Währenddessen machen sich die Datenschützer sorgen: Sie befürchten, dass in einer Art „Blackbox“ ständig Daten gesammelt und damit Bewegungsprofile erstellt werden könnten.

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Quellen: DFV, Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur

 


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eCall soll die Sicherheit steigern: Das System meldet bei einem Crash automatisch die Position.
Eine Sprechverbindung wird hergestellt. Der Alarm kann auch manuell ausgelöst werden. (Fotomontage: KFV Herford)

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Ziel der eSafety-Initiative der EU-Kommission ist es, die Zahl der Verkehrstoten zu senken und
die Zahl der Schwerverletzten im Straßenverkehr zu reduzieren. (Foto: FW Enger)

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Kommt eCall, dann dürfte die klassische Notrufsäule langfristig ausgedient haben. (Foto: KMJ)

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