Fahrzeug des Monats November 2014 - TLF 16/24

Feuerwehrfahrzeug des Monats

November 2014

Tanklöschfahrzeug 16/24 (TLF 16/24) mit Seilwinde, Typ MAN 415 HA (a.D.)
Historisches Einsatzfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Kirchlengern
Löschgruppe Stift Quernheim-Klosterbauerschaft


Technische Daten

Hersteller

MAN (Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg)

Typ

415 HA (Bau-Nr.: 814521)

Motor

6 Zylinder Diesel

Hubraum

5.850 ccm

Leistung

ca. 120 PS bei 2.700 U/min

Gesamtgewicht

10,2 t

Aufbau/Ausrüstung

Ziegler, Giengen a.d. Brenz (Baden-Württemberg)

- Pumpenleistung: 1.600 l/min

- Löschwassertank: 2.400 l

- Schläuche (nach Norm): 6 B, 7 C

- 4-teilige Steckleiter

Seilwinde

Heros-Rotzler (heute Rotzler GmbH u. Co. KG, Steinen,

Baden-Württemberg)

- Leistung: 5t (im einfachen Zug)

Besatzung

1/5 (Staffel)

Baujahr

1963

„Lebenslauf“

1963 – 1985 Kirchlengern (LG Stift Quernheim), aktiv

1985 – 1988 Tännesberg/Oberpfalz (Bayern), aktiv
1988 – 1990 Kirchlengern (LG Kirchlengern), aktiv
ab 1990 Kirchlengern (LG Stift Quernheim), a.D.

Laufleistung (Stand: 10/2014)

39.821 km (in 51 Jahren zurückgelegt!)

Wissenswertes:
Die Geschichte des MAN-Konzerns reicht mehr als 250 Jahre zurück. Zur Zeit der industriellen Revolution entstanden in den süddeutschen Städten Augsburg und Nürnberg die Vorgängerunternehmen. Die Zusammenarbeit mit Rudolf Diesel, einem der wohl größten Konstrukteure und Erfinder aller Zeiten, erwies sich von unschätzbarem Wert für die weitere Entwicklung des Maschinenbauers. Rudolf Diesel konnte 1897 in Augsburg seinen ersten betriebsfertigen Dieselmotor herstellen. Diese Erfindung brachte dem Unternehmen Weltgeltung und gilt als die wohl bedeutendste Innovation in ihrer langen Geschichte. Sie führte im Übrigen die Betriebe in Nürnberg und Augsburg zusammen, da die Maschinenbau-Actien-Gesellschaft Nürnberg zur Produktion von Dieselmotoren einen Lizenzvertrag mit der Augsburger Konkurrentin abschloss.
Heute ist die MAN-Gruppe eines der führenden Nutzfahrzeug-, Motoren- und Maschinenbauunternehmen Europas mit jährlich rund 15,7 Milliarden Euro Umsatz und weltweit etwa 53.500 Mitarbeitern. MAN ist Anbieter von Lastwagen, Bussen, Dieselmotoren, Turbomaschinen sowie Spezialgetrieben und hält in allen Unternehmensbereichen führende Marktpositionen. Die Nutzfahrzeugsparte ist heute das größte Unternehmen innerhalb das Konzern. Das LKW-Werk in München entstand 1955. Im gleichen Jahr stellte MAN ein neues Haubenfahrzeug vor, das nach mehreren Überarbeitungen bis 1994(!) im Programm blieb. Es hieß MAN 400, später 415, 520 und 635. Die Bezeichnung setzte sich, wie damals noch üblich, aus der Nutzlast und der Motorleistung (plus 100) zusammen. Bei dem vorgestellten MAN 415 HA bedeutet die Typenbezeichnung also vier Tonnen Nutzlast und 115 PS. Das Fahrerhaus des „Haubers“ wurde 1960 leicht überarbeitet: Rechts und links vom Kühlergrill wurden zusätzliche Lufteinlässe integriert. 1971 übernahm MAN den LKW- und Omnibusbauer Büssing aus Braunschweig. Von nun an wurde das Büssing-Logo (der Braunschweiger Löwe) auf allen LKW unterhalb des MAN-Schriftzugs angebracht.
Zur wechselvollen Geschichte des TLF 16/24 auf MAN 415 HA-Fahrgestell schreibt Feuerwehrmann Dietmar Bekemeier von der Löschgruppe Stift Quernheim-Klosterbauerschaft: „Der MAN, bei uns heißt er einfach nur „Tanker“, rollt noch immer. Allerdings nicht mehr zu Bränden und Verkehrsunfällen. Der Wagen wird vielmehr bei schönem Wetter aus der Garage geholt um damit an Rundfahrten und Oldtimer-Treffen teilzunehmen. Der liebevoll gepflegte „Hauber“ dient außerdem als “Einsatzfahrzeug“ für die Ehrenabteilung und kann von den aktiven Feuerwehrleuten zu besonderen Anlässen, wie die Fahrt zum Standesamt oder zur Kirche, „gebucht“ werden.
Alles begann 1963. Damals war der „Tanker“ schlichtweg das Feuerwehrauto im Kreis Herford. Ein TLF 16/24 mit Seilwinde! So etwas gab es sonst doch nur bei den großen Berufsfeuerwehren zu sehen. Bis Mitte der 80er Jahre haben die Aktiven aus dem Norden  der Elsegemeinde so manche bewegende Einsatz-Geschichte mit ihrem „Tanker“ durchlebt. Bei Flächen- und Bauernhofbränden – früher wurde in Kirchlengern noch öfter gezündelt,  kam die Löschtechnik zum Einsatz, während die Seilwinde zur Beseitigung umgestürzter Bäume und zur Bergung verunglückter Autos gebraucht wurde. Unser „Tanker“, der von Kalli und Fred Eikötter stets in Schuss gehalten wurde, war damit gewissermaßen ein Vorläufer der heutigen Hilfeleistungslöschfahrzeuge.
Als am Standort Stift Quernheim-Klosterbauerschaft schließlich ein modernes LF 16 stationiert wurde, war das Einsatzleben für den MAN noch längst nicht vorbei. Bürgermeister Schröder verlieh den Tanker zunächst für ein Jahr an die Partnergemeinde Tännesberg in der Oberpfalz. Sehr zur Sorge aller Kameraden. Unser „Schätzchen“ hat uns einsatztechnisch zwar nie im Stich gelassen, war aber zugegebenermaßen mit seinen knapp 120 Pferdestärken etwas untermotorisiert.  Und jetzt sollte das TLF auf seinen alten Tagen noch im Pfälzer Bergland seinen Dienst versehen? Doch so kam es; und aus einem Jahr Leihgabe sind dann fast drei Jahre geworden.  Anschließend gelang es tatsächlich, den MAN-Hauber zurück an die Else zu holen. Er diente zunächst noch kurzzeitig der Löschgruppe Kirchlengern als Ersatzfahrzeug und steht seit Anfang der 90er Jahre wieder am Standort in Stift Quernheim-Klosterbauerschaft.  1998 wurde der betagte MAN einer Generalüberholung unterzogen: 15 Kameraden machten sich damals an die Arbeit. In über 1.500 Stunden und mit privatem Kapital wurden Motor, Bremsanlage und Pumpe erneuert. Neue Bleche wurden geformt und der Innenraum aufpoliert. Nach einer kompletten Entrostung folgte schließlich die Neulackierung. Seitdem strahlt das Auto wieder so, wie es 1963 aus der Fabrik gerollt ist.   
Eine Anekdote bleibt noch zu erwähnen: Beim zweiten Kupplungswechsel, so wird erzählt, musste der MAN-Schlosser aus seiner wohlverdienten Rente geholt werden, weil sich von den jüngeren Mechanikern niemand mehr mit der soliden Technik der sechziger Jahre auskannte.  
Der Oldtimer mit seiner unverkennbaren Motorhaube ist wahrscheinlich eines der letzten Tanklöschfahrzeuge seiner Art. Wo auch immer er steht und langfährt, er zieht noch immer die Blicke auf sich!“

-Vo-

Infos:  Dietmar Bekemeier, Tim Kollmeier (FW Kirchlengern)
Fotos (3): J. Vogelsang

Mehr Informationen?  www.feuerwehr-kirchlengern.de

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Das historische TLF 16/24 der LG Stift Quernheim-Klosterbauerschaft auf  MAN 415 HA-Fahrgestell
wurde 1963 in Dienst gestellt und hat eine wechselvolle Geschichte durchlebt.

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Formschön: Die Motorhaube mit den horizontal verlaufenen Rippen in der Kühlerblende.
Das Fahrzeug ist damals aufgrund der Vorbauseilwinde im Kreis Herford ein Unikat.

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„Freiw. Feuerwehr – Amt Kirchlengern“, diese Bezeichnung führt die Wehr vor der Gebietsreform.

Hinweis: Der KFV Herford benötigt ständig interessante Fahrzeugfotos der Feuerwehr und übrigen Hilfsorganisationen zur Aktualisierung seiner Internetseite. Bildzusendungen unter Nennung des Urhebers an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!



Kommentare   

+2 # Burkhard Schürmann 2014-11-05 17:00
Der MAN - TLF 16 war nie in der Partnergemeinde Tännesberg weil das TLF 8/18 der Löschgruppe Kirchlengern durch einen technischen Totalschaden ausgemustert werden musste.
Dann wurde es gleich der LG Kirchlengern übergeben ! Nach der Ausmusterung in Kirchlengern kam es dann als Dauerleihgabe der Gemeinde zurück in die Löschgruppe Stift Quernheim-Klosterbauerschaft.

Gruss Burkhard Schürmann GBI a.D
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