Fahrzeug des Monats Januar 2017 - ÖSF Wuppertal

Feuerwehrfahrzeug des Monats

Januar 2017

Ölspur-Wasch-Saug-Fahrzeug (ÖSF)
Einsatzfahrzeug der Berufsfeuerwehr Wuppertal (NRW)
Funkrufname (OPTA): Florian Wuppertal 1 ÖSF 1

Technische Daten

Fahrgestell MAN TGS 26.540
Leistung 397 kW (ca. 540 PS)
Hubraum 12.419 ccm
Antriebsart/Radformel 6x2-4 (liftbare Nachlauflenkachse)
Höchstgeschwindigkeit ca. 90 km/h
Abmessungen 11,15 m (L), 2,55 m (B), 3,90 m (H)
zul. Gesamtgewicht ca. 26 t
Ausbau/Ausrüstung
(Konstruktion)
Holzmann GesmbH, Königswiesen (Österreich)
Hochdruckpumpe  (Hammelmann/Oelde)
- Typ HDP 254 (5 Zylinder)
- Antriebsleistung (vom Fahrzeugmotor): 250 kW
- Betriebsdruck: max. 2.300 bar
- Förderstrom: max. 766 l/min
Sauggebläse (Howden/GB)
- Typ VRE 400/5011
- Leistung: 5,7 cbm/s
Frischwasserbehälter: 2 x 2.100 l
Abwasserbehälter/Saugtank: 12.000 l
Tensid-Behälter: 160 l
Sprühbalken mit 6 Düsen an der Fahrzeugfront
Hygienestation zur Händereinigung
Besatzung Ein-Personen-Bedienung
Baujahr   2016
amtl. Kennzeichen W-FW 6200
Anschaffungskosten rd. 756.000 Euro

Wissenswertes:
Ein Liter versickertes Öl kann im Extremfall bis zu einer Million Liter Grundwasser verseuchen.
Läuft der Stoff, z.B. durch eine undichte Dieselleitung auf die Fahrbahn, so sorgt der schmierige Film zudem für eine Verkehrsgefährdung. Die Feuerwehr beseitigt solche Verschmutzungen im Rahmen der Gefahrenabwehr und Hilfeleistung. Das ist mit der herkömmlichen „Bindemittel-Methode“, also dem Abstreuen und anschließenden Abfegen der Fahrbahn, sehr personalaufwendig. Die Berufsfeuerwehr Wuppertal zeigt mit ihrem neuen Hochleistungsreiniger, wie es deutlich einfacher und effizienter geht. Er trägt die offizielle Bezeichnung Ölspur-Wasch-Saug-Fahrzeug (ÖSF). Und der zugegebenermaßen etwas sperrige Name ist Programm: Das System arbeitet ähnlich wie ein haushaltsüblicher Nass-Trockensauger, nur mit einem viel höheren Druck.

Holzmann-System hat sich bis nach Abu Dhabi bewährt

Der Flächenreiniger basiert auf einem Fahrgestell von MAN (Typ TGS 26.540). Für den Antrieb sorgt ein Motor mit 540 PS und eine liftbare Nachlauflenkachse für die guten Fahreigenschaften. Der Dreiachser ist für ein zulässiges Gesamtgewicht von 26 Tonnen ausgelegt. Für den Aufbau zeichnet das Unternehmen Holzmann verantwortlich. Der Familienbetrieb entwickelt und fertigt mit etwa 70 Mitarbeitern in Königswiesen (Oberösterreich) Fahrzeugaufbauten für die Kanal-, Flächen- und Industriereinigung. Großflächenreiniger aus dem Hause Holzmann kommen oftmals auf den Start- und Landebahnen von Flugplätzen zum Einsatz. Zuletzt hatten zwei Mitarbeiter in einem riesigen Holzmann-Reinigungs-LKW auf der Formel-1-Strecke in Abu Dhabi für einen griffigen Asphalt gesorgt. An eine öffentliche Feuerwehr hatten die Österreicher ihr System bisher allerdings noch nicht geliefert. Die Berufsfeuerwehr Wuppertal hat gewissermaßen die Vorreiterolle übernommen.

Hochdruckpumpe und Radialsauggebläse sorgen für „blitzblanke“ Fahrbahn

Bereits vor Auslieferung des ÖSF war eine Abordnung von der Wupper in die Alpenrepublik gereist, die etwa 20 verschiedene Öle im Gepäck hatte. Auf einer Testfläche hatte das Holzmann-System überzeugen können. Es arbeitet mit einer Hochdruckpumpe von Hammelmann (Typ HDP 254), die einem Betriebsdruck von bis zu 2.300 Bar aufbaut und etwa 60 Liter Wasser pro Minute einsetzt. Das Fünf-Zylinder-Aggregat benötigt eine Antriebsleistung von bis zu 250 Kilowatt, die vom Fahrzeugmotor abgenommen werden. Der MAN ist aus diesem Grund so üppig (mit 397 Kilowatt) motorisiert. Das für den Reinigungsprozess benötigte Frischwasser wird aus zwei Tanks entnommen, die an beiden Fahrzeugseiten verbaut sind und insgesamt 4.200 Liter fassen. Neben der Hochdruckpumpe befindet sich im Geräteraum hinter der Fahrzeugkabine ein hydraulisch angetriebenes Radialsauggebläse des britischen Herstellers Howden. Mit einer Saugkraft von 5,7 Kubikmetern in der Sekunde wird das entstandene Schmutzwasser aufgenommen, in den Zwölf-Kubikmeter-Abwasserbehälter gefördert und der Fahrbahnbelag in einem letzten Arbeitsschritt getrocknet. Die eigentliche Reinigungsprozedur läuft unterhalb des Waschtellers ab, der sich am Heck befindet. Er wird an der Einsatzstelle hydraulisch abgesenkt. Sobald das ÖSF eine Mindestfahrgeschwindigkeit erreicht hat, wird das Wasser mit der Hochdruck-Drehjet-Technik auf eine Fahrbahnbreite von 2,40 Metern aufgetragen. Nur in Sonderfällen, wie etwa bei stark haftenden Hydraulikölen, müssen zusätzlich Reinigungstenside eingesetzt werden. Zu diesem Zweck hat Holzmann einen Edelstahltank mit 160 Litern Reinigungsmittel eingebaut, das über einen Sprühbalken unterhalb des Frontstoßfängers aufgetragen wird.

Ölwehrsonderfahrzeug ist gründlich und effektiv

Das ÖSF ist für den Ein-Personen-Betrieb ausgelegt. Es soll die Arbeit von etwa 20 Einsatzkräften erledigen. Was diese bislang an einem Tag geschafft hätten, könne der Ölsauger mit nur einer Arbeitskraft in zwei Stunden erledigen, erläuterte Simon Harmuth von der Feuerwehr Wuppertal gegenüber dem WDR. Alle Arbeitsschritte werden von zwei Tableaus aus gesteuert und überwacht, die sich in der Fahrerkabine befinden. Um problemlos die geringen Fahrgeschwindigkeiten im Einsatzbetrieb zu erreichen, ist der MAN mit einem hydrostatischen Antrieb ausgerüstet, der unabhängig von der Motordrehzahl arbeitet. Die Tests beim Hersteller haben gezeigt, dass für die Beseitigung von alltäglichen Ölverschmutzungen ein Reinigungsdruck von bis zu 1.000 Bar bei einer Geschwindigkeit von bis zu 20 Metern pro Minute ausreichend ist.
Anfang November 2016 wurde das Ölwehrsonderfahrzeug offiziell an die Feuerwehr übergeben. Fünf Tage später rückte es zum ersten größeren Einsatz aus. Der Fahrer eines Kleintransporters hatte wegen einer kaputten Dieselpumpe eine Dieselspur durch die halbe Innenstadt gezogen.

Die Schwebebahn ist das Wahrzeichen der Stadt.

In Wuppertal (rd. 350.000 Einwohner) gibt es eine Berufsfeuerwehr und eine Freiwillige Feuerwehr unter gemeinsamer Leitung. Die Hauptfeuerwache (Wache 1) und die Feuerwache 3 befinden sich im Stadtteil Elberfeld. Die Feuer- und Rettungswache 2 hat ihren Standort in Barmen. Die mehr als 500 ehrenamtlichen Helfer gliedern sich in 16 Löschzüge und eine Einheit für den Umweltschutz und ABC-Dienst. Die Schwebebahn hat Wuppertal bekannt gemacht. Sie gilt als sicherstes Verkehrsmittel der Welt. Zwischenfälle passieren auf der etwa 13 Kilometer langen Strecke, die zwischen Vohwinkel und Oberbarmen größtenteils über der Wupper verläuft, sehr selten. Der bislang folgenschwerste Unfall geschah im April 1999. Damals prallte einer der Hängezüge vor eine 100 Kilogramm schwere Stahlkralle, die Bauarbeiter nach Beendigung ihrer nächtlichen Arbeit am Gerüst vergessen hatten. Triebwagen 4 wurde durch den Aufprall aus der Schiene gehoben und stürzte in die Wupper. Fünf Fahrgäste starben, 47 weitere zogen sich zum Teil schwere Verletzungen zu. (Redaktion: kfv-herford.de)

-Vo-

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Die Berufsfeuerwehr Wuppertal verfügt seit kurzem über ein außergewöhnliches Hochdruckreinigungs-Fahrzeug.
Das System der Firma Holzmann Fahrzeugbau arbeitet mit einer Fünf-Zylinder-Hochdruckpumpe und einem Radialsauggebläse.
(Foto: Holzmann Fahrzeugbau GesmbH, Königswiesen, Österreich)

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Der eigentliche Reinigungsprozess läuft unter dem Waschteller ab, der sich am Heck befindet.
Das Wasser wird mit rotierenden Drehjets aufgetragen. (Foto: Holzmann GesmbH, Königswiesen, Österreich)

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Um den Abwassertank zu leeren, ist der gesamte Aufbau nach hinten kippbar
(Foto: Holzmann GesmbH, Königswiesen, Österreich)

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Dachansicht: Hinter der Fahrerkabine und dem Geräteraum mit der Hochdruck- und Gebläse-Technik sind die
Ausbauten für die Frischwassertanks zu erkennen. (Foto: Holzmann GesmbH, Königswiesen, Österreich)

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Die Schwebebahn hat Wuppertal berühmt gemacht. Das Foto zeigt einen Zug der neuesten Generation. (Foto: WSW mobil)

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