Fahrzeug des Monats Januar 2018 - Zumischerlöschfahrzeug

Fahrzeug des Monats

Januar 2018

Zumischerlöschfahrzeug (ZLF 24/45) ehemaliges Einsatzfahrzeug der „Werkfeuerwehr Saarstahl Völklingen“ 
(gehört heute zur Sammlung des Magirus-Museums in Ulm/Donau)  

Technische Daten

Fahrgestell (Hersteller)

Magirus-Deutz (Klöckner-Humboldt-Deutz AG)

Typ

F 200 D 16

Motor

8-Zylinder Vier-Takt-Dieselmotor mit Deutz Wirbelkammer

Hubraum

12667 ccm

Leistung

200 PS (147 kW) bei 2300 U/min

Antriebsart/Radformel

Hinterradantrieb

Getriebe

Z.F. Allklauen-6-Gang-Schnellgetriebe

Höchstgeschwindigkeit

82 km/h

Abmessungen

7,95 m (L) x 2,50 m (B) x 2,85 m (H)

zul. Gesamtgewicht

16 t

Ausbau/Ausrüstung
(Konstruktion)

Magirus (Klöckner-Humbodt-Deutz AG Werk Ulm)
Vorbaupumpe
- Typ Magirus FP 16/8 S
- Förderleistung: max. 2.400 l/min bei 8 bar
Schaummittelpumpe (mittig eingebaut)
- Förderleistung: max. 400 l/min bei 11 bar
Löschmitteltank
- 4.500 l Mehrbereichsschaummittel
Schaumwasserwerfer (auf dem Dach montiert)
- Typ Alco  
- mit Schwerschaumrohr „Total Komet“ SW 24
- Leistung: max. 2.400 l/min
Schaum-Schnellangriff
- 2 Schlauchhaspeln
- je 40 m formstabiler S-Druckschlauch
- nur zum Schaummitteltransport bzw. zur Einspeisung
Zumischer (Erzeugung des Wasser/Schaummittelgemischs)
- 1 Zumischer Z 4
- Löschwasserstrom: 400 l/min
- 2 Zumischer Z 8
- Löschwasserstrom: 800 l/min
Schaumrohre (zur Erzeugung des Luftschaums)
- 3 Schwerschaumrohre S 4
- Durchfluss: 400 l/min bei 5 bar
- 2 Schwerschaumrohre S 8
- Durchfluss: 800 l/min bei 5 bar
Schläuche
- 6 A-Saugschläuche (2 seitlich u. 4 auf dem Dach gelagert)
- 15 B-Druckschläuche
- 6 C-Druckschläuche  
Sondersignalanlage
- 2 Drehspiegelkennleuchten Typ Eisemann
- 2 Starktonhörner Typ Bosch
- Pressluftanlage Typ Max Martin

Besatzung

1/6 (Staffel)

Baujahr/Indienststellung

1967

Stationen

1967 – 1985: Werkfeuerwehr Saarland-Raffinerie Klarenthal (Saarbrücken)
1985 – 1999: Freiwillige Feuerwehr Völklingen (Saarland)
1999 – 2017: Werkfeuerwehr Saarstahl Völklingen
heute Museumsfahrzeug der Magirus Brandschutz GmbH

amtl. Kennzeichen

VK-S 998

Wissenswertes:

Lastwagen von Magirus-Deutz waren besonders in der Wirtschaftswunderzeit der 1950er und 1960er Jahre gefragt. Die luftgekühlten Dieselmotoren aus dem Hause Klöckner-Humboldt-Deutz galten als besonders zuverlässig und unverwüstlich. Die Ursprünge der LKW-Produktion sind in der Feuerwehrgerätefabrik Magirus in Ulm an der Donau (Baden-Württemberg) zu finden. Dort, wo Conrad Dietrich Magirus 1864 damit begann, Feuerwehrgeräte herzustellen, werden noch heute Feuerwehrfahrzeuge produziert. Vor allem die Drehleitern aus dem Hause Magirus zählen zur Spitzentechnologie und sind auf der ganzen Welt im Einsatz.

 

Statt Wasser Schaummittel im Tank

Im Jahr 1967 verlies ein besonderer „Eckhauber“ die Ulmer „Fahrzeugschmiede“: Für die Werkfeuerwehr der Saarland-Raffinerie Klarenthal (Saarbrücken) lieferte Magirus ein Zumischerlöschfahrzeug 24/45 (ZLF 24/45). Als Basis diente ein Fahrgestell aus eigener Produktion vom Typ F 200 D 16 mit 8-Zylinder-Dieselmotor und 200 PS. Die Frontpartie des Löschfahrzeugs wirkte geradezu monströs. Grund dafür war die mächtige Vorbaupumpe, die über eine Förderleistung von 2.400 Litern pro Minute verfügte. Statt Wasser hatte das ZLF  allerdings 4.500 Liter Mehrbereichsschaummittel im Tank. Mit Hilfe der mittig eingebauten Schaummittelpumpe, die max. 400 Liter pro Minute leistete, und der beiden Schnellangriffshaspeln mit jeweils 40 Metern Schlauchmaterial wurden andere Einsatzfahrzeuge oder stationäre Beschäumungsanlagen mit Schaummittel versorgt. Das ZLF konnte dank Vorbaupumpe und den mitgeführten Zumischern und Schaumrohren in unterschiedlichen Größen aber auch selber zur Löschschaumerzeugung eingesetzt werden. Die Abgabe des Löschmittels erfolgte außerdem über den auf dem Dach montierten Schaum-Wasserwerfer.

Dazu muss man wissen: Der im Brandschutz verwendete Schaum wird nicht in fertiger Form auf dem Löschfahrzeug mitgeführt, sondern erst an der Einsatzstelle aus den drei Komponenten Wasser, Schaummittel und Luft erzeugt. Unterschieden werden Schwer-, Mittel- und Leichtschaum. Durch aufbringen des „Schaumteppichs“ werden die Flammen erstickt. Wegen seines hohen Wasseranteils entfaltet der Schwerschaum zudem eine kühlende Wirkung.    

 

 
Zumischerlöschfahrzeug ZLF 24/45 (Baujahr 1967) auf Magirus-Deutz F 200 D 16
(Foto: Wolfgang Hackländer)

ZLF in TLF verwandelt   

Zur Besatzung des Magirus-Schaummitteltankers zählte ursprünglich eine Staffel aus sechs Werkfeuerwehrleuten. Drei Einsatzkräfte fuhren auf einem Trittbrett am Heck des Fahrzeugs mit, wo sie sich mit Ledergurten sicherten. Später verzichtete man aus Sicherheitsgründen auf diese Art des Transports, baute das ZLF zurück und halbierte damit seine Besatzung.  

Das Aus für die Saarland-Raffinerie, die aufgrund von Überkapazitäten auf dem europäischen Markt nicht mehr wettbewerbsfähig war, bedeutete im Jahr 1985 gleichzeitig das Ende für die Werkfeuerwehr am Standort Klarenthal. Der markante Magirus-Eckhauber fand bei der Freiwilligen Feuerwehr Völklingen sein neues Zuhause. Dort erfolgte der Umbau zu einem Tanklöschfahrzeug (TLF 24/45), das von nun an 4.500 Liter Wasser mitführte. Es bewährte sich in der Folgezeit wegen seiner leistungsstarken Pumpe und des großen Wassertanks im Waldbrandeinsatz. Im Jahr 1999 erhielt die Wehr der saarländischen Mittelstadt ein neues Tanklöschfahrzeug 24/50 (TLF 24/50) und das ehemalige ZLF wechselte zur Werkfeuerwehr Saarstahl in Völklingen.

 

TLF in ZLF verwandelt

 

Dort wurde das Auto in seinen ursprünglichen Zustand als ZLF zurückversetzt. Die  Generalüberholung umfasste eine neue Lackierung, Neubeschichtung des Tanks und Instandsetzung der Vorbaupumpe. Die Saarstahl-Werkfeuerwehr ist für die Werke in Völklingen und dem sieben Kilometer entfernten Burbach zuständig. Sie verfügt über 118 Einsatzkräfte und 18 Einsatzfahrzeuge. Die Saarstahl AG beschäftigt rund 4.000 Mitarbeiter (Stand 2015). 

Erst im Jahr 2017 wurde der Magirus-Eckhauber außer Dienst gestellt und nach Ulm überführt. Er ist damit an die Stätte zurückgekehrt, wo er vor 50 Jahren das „Licht der Welt erblickte“ und  im Museum auf dem Magirus-Werksgelände zu besichtigen. (Redaktion: kfv-herford.de)

 -Vo-

 


Die mächtige Vorbaupumpe, die …  
(Foto: Wolfgang Hackländer)

 


… mittig eingebaute Schaummittelpumpe und das …
(Foto: Wolfgang Hackländer)

 


… lange Rohr des Schaum-Wasserwerfers auf dem Dach gehören zu den unverkennbaren Merkmalen des Magirus-Eckhaubers.  
(Foto: Wolfgang Hackländer)

 


Zwei mächtige Schwerschaumrohre sind am Fahrzeugheck untergebracht. Auf dem Podest
standen früher drei Einsatzkräfte, die auf diese Weise mit zur Einsatzstelle fuhren.
(Foto: Wolfgang Hackländer)

 


Das Auto war zuletzt bei der Werkfeuerwehr der Saarstahl AG im Einsatz.
(Foto:  Wolfgang Hackländer)

 

 

Hinweis:
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