Mit den Bomberos von Guayaquil im Löscheinsatz

Brandmeister aus Bünde lernt die Feuerwehr Ecuador kennen

Als Ausbilder beim DienstabendBünde/Guayaquil. Die ecuadorianische Millionenmetropole Guayaquil gilt als Tor zu den Pazifikstränden und den Galapagosinseln, die für ihre einzigartige Tier- und Pflanzenwelt berühmt sind. Zehn Monate lang, von Juni 2021 bis April 2022, ist Christian Scheunig in der südamerikanischen Hafenstadt im Einsatz: Als Deutschlehrer und Offizier der Feuerwehr. Mehr als 10.000 Kilometer von der ostwestfälischen Heimat entfernt erlebt der Brandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Bünde den Alltag der ecuadorianischen Feuerwehrleute hautnah mit. In  Lateinamerika sei die Kriminalitätsrate hoch, der Lebensstandard eher gering und die Ausrüstung der Feuerwehr oft unzureichend. Ecuador bilde da keine Ausnahme, berichtet er gegenüber Redaktion: kfv-herford.de. „Land und Leute kennenzulernen ist trotzdem wunderbar und die Arbeit als Lehrer und ehrenamtlicher Feuerwehrmann macht gerade deshalb so viel Spaß!“

Das „Südamerika-Abenteuer“ nahm im Herbst 2019 seinen Anfang. Damals beschlossen Scheunig und seine Frau, noch einmal im Ausland zu unterrichten. Nach einigen Bewerbungsgesprächen entschieden sich die Beiden für die Deutsche Schule Guayaquil in Ecuador. Dort gebe es zwei Standorte, erzählt der freiwillige Feuerwehrmann vom Löschzug Bünde-Mitte, einen im Norden der Stadt Guayaquil (rd. 2,6 Mio. Einwohner) und einen in der Metropolregion Guayaquil, in Samborondón. Die Stadt ist mit 42.000 Einwohnern etwa so groß wie Bünde. Dort unterrichten die beiden Lehrer nun noch bis zum Frühjahr kommenden Jahres. Daneben geht Christian Scheunig seiner Leidenschaft für die Feuerwehr auch in Ecuador weiterhin nach.

Verwaltungsgebäude der Deutschen SchuleChristian Scheunig, Brandmeister der Feuerwehr Bünde, unterrichtet zurzeit gemeinsam mit
seiner Frau an der Deutschen Schule in Samborondón/Ecuador.

Unidad16 vor der Feuerwache der KompanieDaneben unterstützt er die örtliche Feuerwehr, unter anderem die „Unidad 16“ (Einheit 16) der
Metropole  Guayaquil, wo ein Tanklöschfahrzeug auf Renault-Fahrgestell stationiert ist.

 

Einsatzleitwagen bei einem F3 im Zentrum
Zu einem Großeinsatz im Zentrum ist auch der Einsatzleitwagen, ein US-Truck, angerückt.   


Als „teniente“ eingestellt.

Der Leiter der Deutschen Schule hatte den Kontakt zu den örtlichen „Bomberos“ (Feuerwehrleuten) hergestellt. Bereits während seiner vorhergehenden Auslandsaufenthalte hatte Scheunig die Feuerwehren vor Ort unterstützt. „Deshalb ist man auch in Guayaquil sofort sehr interessiert an meiner Geschichte gewesen.“ Die nötigen Dokumente waren schnell beschafft. Rüdiger Meier, Leiter der Feuerwehr Bünde, bescheinigte die Feuerwehr-Mitgliedschaft auf Spanisch. Weitere Lehrgangsbescheinigungen, die den in Lateinamerika genutzten Normen der NFPA (National Fire Protection Association / Nationale Brandschutz-Organisation) entsprechen, legte Scheunig aus den USA und Kanada vor. „Bei unserer Ankunft Anfang Juni war dann der Großteil der Aufnahmeformalitäten in die Feuerwehren Guayaquil und Samborondón schon erledigt.“ Die  Wehrführungen der südamerikanischen Städte stellten den Brandmeister aus Ostwestfalen-Lippe kurzerhand als „teniente“ (Offizier), dem ecuadorianischen Äquivalent seines deutschen Dienstgrades ein.     

Feuerwehr-Ehrenamt hat große Bedeutung für die Sicherheit 

Scheunig hat nun in Ecuador die Möglichkeit, gleich in zwei Feuerwehren tätig zu sein: In der 16. Kompanie der Feuerwehr der Millionenmetropole Guayaquil und der 6. Kompanie der Feuerwehr Samborondón. „In Guayaquil gibt es acht Feuerwehr-Brigaden mit jeweils fünf bis acht Kompanien“, erklärt der Gruppenführer, „während in Samborondón acht Kompanien stationiert sind.“ Guayaquil verfügt darüber hinaus über eine Einheit zur Waldbrandbekämpfung und eine ABC-Einheit. Ein Großteil der Feuerwehrleute in Guayaquil, Samborondón und den anderen Städten der Metropolregion mit ihren mehr als drei Millionen Einwohnern ist  ehrenamtlich tätig. In der Regel versehen jeweils sechs Einsatzkräfte ihren Schichtdienst auf den Feuerwachen. Jeder Ehrenamtliche habe wöchentlich mindestens eine Acht- bis Zwölfstundenschicht zu leisten, erzählt Scheunig. „Einzelne Wachen handhaben die Arbeitszeiten allerdings flexibel, um auf die Bedürfnisse der Wehrleute Rücksicht zu nehmen und sicherzustellen, dass immer genügend Aktive anwesend sind.“ Der Großteil des hauptamtlichen Personals arbeite hingegen in der Feuerwehr-Verwaltung oder dem Vorbeugenden Brandschutz.

Dienstabend der 16.KompanieDienstabend der 16. Kompanie

 

Als Ausbilder beim DienstabendAls Ausbilder im Einsatz: Christian Scheunig (2. v.r.) vermittelt sein  Feuerwehrwissen,
das er in Bünde, an der Kreisfeuerwehrzentrale und dem Institut der Feuerwehr in Münster erworben hat,
an seine  südamerikanischen Kameraden.

 

Trainer kommen sogar aus Buenos Aires und Kolumbien

Während der Woche unterrichtet Scheunig an der Deutschen Schule. Die wöchentlichen Dienstabende seiner Feuerwehreinheiten starten aufgrund des tropischen Klimas erst ab 21:15 Uhr. An den Wochenenden kommen weitere Seminare, Lehrgänge und Übungen an der Akademie der Feuerwehr Guayaquil hinzu. Auf dem Gelände gebe es mehrere Container und Häuser für die Realbrandausbildung, zwei kleine Schiffe, eine Übungstankstelle, die Kulisse eines Industrieobjektes und eine Trümmerlandschaft zum Suchen und Retten Verschütteter (USAR-Bereich), schildert Scheunig. Die Ausbilder der Akademie empfangen regelmäßig die Feuerwehreinheiten aus Samborondón und den anderen Städten der Metropolregion zu den Veranstaltungen. Die Einrichtung hat offenbar einen internationalen Ruf. „Feuerwehr-Experten aus anderen südamerikanischen Großstädten wie Buenos Aires (Argentinien) und Bogotá (Kolumbien) ergänzen regelmäßig das  Angebot der Akademie“, weiß der Bünder Feuerwehrmann.

Feuerwehrakademie1Auf dem Gelände der Feuerwehr-Akademie in Guayaquil gibt es zahlreiche Übungsgebäude.

 

Feuerwehrakademie 2Dort wird unter anderem die Realbrandausbildung trainiert.

 

Einsatzübung der Brigade1Am Abend sind die Temperaturen etwas gesunken. Jetzt führen die Brigaden 1 und …

 

Einsatzübung der Brigade2… 2  auf dem Gelände ihre Einsatzübungen durch.

 

Christian Scheunig: „In vielen Einheiten fehlt die elementare Ausrüstung!“ 

Die Feuerwehr-Standorte der Metropolregion Guayaquil beherbergen im Regelfall maximal drei Kompanien. Anders als in Deutschland verfügen die meisten dieser Einheiten nur über ein einziges Einsatzfahrzeug. Die 16. Kompanie in Guayaquil, in der Scheunig als Offizier seinen Dienst leistet,  rückt vorrangig zu Brandeinsätzen und Wasserrettungseinsätzen am nahegelegenen Río Guayas aus. „Hierfür steht der Einheit ein französisches Löschfahrzeug (Desautel auf Renault) mit einer Pumpenleistung von 3.785 Litern pro Minute und einem Wassertank von 4.543 Litern zur Verfügung. Die 6. Kompanie in Samborondón, die der Bünder ebenfalls unterstützt, verfügt über eine Drehleiter (Baujahr 1992) aus den USA. „Sie rückt zu Einsätzen in der gesamten Metropolregion aus, weil es dort insgesamt nur wenig Hubrettungsfahrzeuge gibt.“

In den Kompanien außerhalb des Zentrums fehle oft die elementare Ausrüstung, weil die nötigen finanziellen Mittel einfach nicht vorhanden seien, beschreibt Scheunig die Lage. Auf vielen Löschfahrzeugen seien beispielsweise nur zwei Atemschutzgeräte älteren Modells vorhanden, die im Regelfall,  genau wie die persönliche Schutzausrüstung, aus den USA gespendet worden seien. „Einige dieser Zuwendungen kommen leider in einem Zustand in Ecuador an, der eigentlich keine Verwendung mehr erlaubt“, meint der Brandmeister. Auch könnten die Feuerwehrleute nach dem Grundlehrgang nur eingekleidet werden, wenn noch genügend gespendete Ausrüstung verfügbar sei. „Ansonsten müssen die frischgebackenen Feuerwehrleute auf neue Hilfslieferungen warten!“ Trotz dieser Missstände seien die Kameraden konzentriert bei der Sache, meint der Brandmeister der Bünder Feuerwehr. Auffällig sei allerdings, dass die Einheiten im Zentrum Guayaquils über deutlich besseres Material verfügten.  „Das ist von der Führung der Feuerwehr so gewollt, weil es im Zentrum in beängstigender Regelmäßigkeit zu Bränden in den dort vorhandenen Hochhäusern kommt.“

 

Feuer Stufe2 im Zentrum„Feuer 2“ im Zentrum von Guayaquil

 

Feuer Stufe2Die „Bomberos“ verhindern Schlimmeres.


Mauern schützen vor hoher Kriminalität

Die Deutsche Schule in Samborondón liegt in einem Stadtviertel, das vorrangig aus Privatschulen und geschlossenen Wohnsiedlungen besteht. Das Lehrerpaar wohnt in einer dieser für Lateinamerika typischen Wohnsiedlungen, in der Menschen der Oberschicht umgeben von hohen Mauern, Wachpersonal und verschlossenem Zugangstor leben. Jeder, der auf das Gelände möchte, muss zunächst an den Wachen vorbei und nachweisen können, dass er in der Siedlung lebt oder einen triftigen Grund hat, sie zu betreten. Auf dem Gelände jeder Wohnsiedlung gibt es Sportanlagen, Spielplätze und sogar Swimmingpools. Aus Angst vor Entführungen und Überfällen verbringen viele wohlhabende Bürger ihr Leben hauptsächlich in den Wohnsiedlungen und den zahlreichen Einkaufszentren, die nach dem Vorbild der US-Shopping- Malls gestaltet sind. Die Kinder der Oberschicht gehen im Regelfall auf eine Privatschule, da das öffentliche Bildungswesen genau wie das öffentliche Gesundheitswesen sehr marode ist. „Für die Deutsche Schule Samborondón müssen Familien im Monat 610 US-Dollar bezahlen – in einem Land, in dem der monatliche Mindestlohn gerade einmal 400 Dollar beträgt“, sagt Scheunig. Der Abschluss einer Privatschule ermögliche es jedoch, nach Westeuropa oder Nordamerika auszuwandern, was für viele reichere Menschen in Ecuador das erklärte Ziel sei. „Nur so können sie der hohen Alltagskriminalität, den oftmals korrupten Politikern und den fehlenden Perspektiven für junge Menschen entkommen!“

 

Beeindruckende Landschaft und faszinierende Tierwelt 

Durch die Reiselust seiner Frau angespornt, konnte der Bünder Feuerwehrmann allerdings trotz Arbeit und Feuerwehr auch schon einige der bekanntesten Orte Ecuadors sehen. Cuenca und Riobamba in den Anden, die Galapagosinseln oder das Amazonasgebiet zählten dazu. Ecuador (rd. 17 Mio. Einwohner) ist für südamerikanische Verhältnisse zwar klein, so Scheunig, habe aber mit Pazifikküste, Anden und dem Amazonasgebiet landschaftlich viel zu bieten. „Auch die Tierwelt ist faszinierend: In dem Land am Äquator tummeln sich beispielsweise Riesenschildkröten und -schlangen, Nasenbären, Faultiere, Affen oder Leguane – letztere sogar auf dem Schulgelände oder in der Innenstadt.“

Ein Bericht mit Fotos aus Guayaquil/Samborondón, Ecuador (Südamerika)
von Christian Scheunig (Feuerwehr Bünde)

 

Kleinstadt in den AndenIn Ecuador gibt es beeindruckende Landschaften zu entdecken.

 

Vulkan ChimborazoDer (inaktive) Vulkan Chimborazo. Er ist mit 6.263 Metern der höchste Berg des Landes.

 

Zentrum von CuencaDas Zentrum von Cuenca in den Südanden, der drittgrößten Stadt Ecuadors.  

 

Auf 4800m im NationalparkIn 4.800 Meter Höhe im Nationalpark.

Galapagos 1

Galapagos 2

Galapagos 3

Galapagos 4

Auf den Galapagosinseln, einer Provinz Ecuadors, konnte eine Vielzahl von Tierarten überleben, die es nirgendwo sonst auf der Erde noch gibt.

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Quelle: Deutsche Wetterdienst
Letzte Aktualisierung 19/09/2021 - 16:00 Uhr

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Quelle: Deutsche Wetterdienst
Letzte Aktualisierung 19/09/2021 - 16:00 Uhr

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