Spenger Feuerwehr unterstützt mit Feuerwehr-Anhänger „Notstrom“
Spenge/Berlin. Seit Samstag sind zehntausende Haushalte im Südwesten Berlins ohne Strom. Die Situation ist weiterhin angespannt. Mittlerweile hat die Senatsverwaltung Hilfe aus anderen Bundesländern angefordert. Nordrhein-Westfalen schickt fünf Feuerwehr-Anhänger „Notstrom“ des Katastrophenschutzes, darunter die Einheit aus Spenge, in die Bundeshauptstadt (5.01.2026). Die Bundeswehr und Bundespolizei unterstützen ebenfalls bei der Bewältigung der Krise. Ein Brandanschlag auf eine Stromtrasse am Teltowkanal hat das Chaos ausgelöst. Die linksextremistische „Vulkangruppe“ soll dafür verantwortlich sein.
Am Montagmittag geht das Hilfeersuchen aus Berlin bei der Bezirksregierung in Detmold ein. In Wannsee, Nikolassee, in Teilen Zehlendorfs und Lichterfelde sind weiterhin etwa 30.000 Haushalte ohne Strom. Deshalb werden Netzersatzanlagen gebraucht. Die Bezirksregierung Detmold alarmiert daraufhin die Strommodule der Kreise Herford und Lippe. Die entsprechenden Komponenten aus dem Münsterland, sie sind in Ochtrup (Kreis Steinfurt) und Mettingen (Kreis Steinfurt) sowie am Institut der Feuerwehr in Münster stationiert, werden ebenfalls in Marsch gesetzt. „Die Hilfe aus NRW wird in Berlin dringend benötigt“, sagt Kreisbrandmeister Bernd Kröger. Wegen der Lage vor Ort, die durch das Winterwetter zusätzlich angespannt ist, haben die Einheiten nur wenig Zeit, um sich auf den Einsatz in der Bundeshauptstadt vorzubereiten. Rund vier Stunden bleibt der sechsköpfigen „Stromgruppe“ vom Löschzug Spenge-Lenzinghausen, die von Meik Siemer und Vertreter Nico Potthoff geleitet wird, um die Einsatzfahrzeuge samt Notstromanhänger für die 380 Kilometer lange Reise nach Berlin vorzubereiten und das persönliche Reisegepäck zusammenzustellen. Unterstützung bekommen sie von Löschzugführer Thilo Duffert und Stellvertreter Dirk Potthoff, die sich um die Kraftstoffreserven kümmern. „Alle Stromkomponenten aus OWL und dem Münsterland fahren quasi auf eigene Faust in die Hauptstadt“, sagt der Kreisbrandmeister. Es fehle die Zeit, die einzelnen Einheiten zu einem Fahrzeugverband zusammenzuschließen.
Ein langandauernder Stromausfall hat Teile der Bundeshauptstadt lahmgelegt. NRW schickt mehrere Stromkomponenten. Darunter die Einheit der 2. Bezirksreserve Herford/Minden-Lübbecke, die in Spenge stationiert ist. (Foto: FW Spenge)
Der in Spenge stationierte Feuerwehr-Anhänger „Notstrom“ (FwA-Notstrom) ist ein vom Land Nordrhein-Westfalen angeschafftes Fahrzeug für den Katastrophenschutz. Auf dem 8,35 Meter langen Tandem-Hänger (zulässiges Gesamtgewicht: 9,9 Tonnen) ist eine Netzersatzanlage mit einer Leistung von 250 kVA aufgebaut. Die Anlage kann sowohl zur Einspeisung in Gebäude oder Teilnetze bei einem großflächigen Stromausfall sowie zur Stromversorgung und zum Ausleuchten von Großeinsatzstellen eingesetzt werden. Der (autarke) Antrieb erfolgt über einen Schiffsdieselmotor mit rund 300 PS. Im Aufbau des Anhängers werden weitere Ausrüstungsgegenstände für den Betrieb der Anlage mitgeführt. Als Zugfahrzeug dient bei überörtlichen Einsätzen der Gerätewagen Logistik 2 (GW-L 2) des Katastrophenschutzes NRW. Der 18-Tonner mit Staffelbesatzung und Ladebordwand transportiert weitere Ausrüstungsgegenstände für den Notstrombetrieb, aber auch Zeltheizungen und eine große mobile Dieselheizung, um Betreuungseinrichtungen wie Sporthallen, zu beheizen. Der GW-L 2 samt FwA-Notstrom ist Bestandteil des Logistikzugs (Log-Z NRW) der Bezirksbereitschaft Herford/Minden-Lübbecke (2. Bereitschaft), der bei Großschadenslagen innerhalb und außerhalb NRWs ausrückt. „In Berlin wird aber nur die Stromkomponente der Bezirksbereitschaft benötigt“, sagt der Kreisbrandmeister.
Bei Anbruch der Dunkelheit machen sich der Gerätewagen Logistik samt Notstromanhänger und ein Mannschaftstransporter mit Blaulicht und Martinshorn auf den Weg. Über die A30 und die A2 geht es für die Spenger Einheit nach Berlin, wo die Einsatzkräfte aus der Heimat gegen Mitternacht erwartet werden. „Erster Anlaufpunkt ist die Feuerwache Zehlendorf (Wache 4100) im Stadtbezirk Steglitz-Zehlendorf. Wie es von dort aus weitergehe, stehe noch nicht fest, sagt Bernd Kröger. „Vermutlich muss eine Wärmeinsel betrieben werden.“ So werden im Katastrophenschutz Notfall-Punkte bezeichnet, die bei längeren Stromausfällen Wärme, Strom und Informationen bieten.
Nach Behördenangaben soll der Stromausfall noch bis Donnerstag anhalten. Zunächst waren rund 45.000 Haushalte betroffen, von denen etwa 15.000 seit Sonntagabend wieder mit Energie versorgt werden. Zwischenzeitlich sollen auch alle Krankenhäuser, die von dem Stromausfall betroffen waren, wieder am Netz sein. Ein großflächiger, länger anhaltender Stromausfall führt zu erheblichen Problemen, wie die Situation in Berlin zeigt, da nahezu alle kritischen Infrastrukturen – von der Wasserversorgung über Kommunikation und Gesundheitswesen bis hin zur Lebensmittelversorgung und dem Verkehr – von Strom abhängen. (Redaktion: kfv-herford.de)
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Fotos FW Spenge
"Die Mannschaft aus Spenge-Lenzinghausen kurz vor der Abfahrt nach Berlin mit Kreisbrandmeister Bernd Kröger (l), Landrat Mirco Schmidt und Bürgermeister Bernd Dumcke (r). (Foto: Kreis Herford)"