Einsatz der Teilkomponente „Notstrom“ der 2. Bezirksreserve-Bereitschaft
Berlin/Spenge. Der Blackout im Südwesten von Berlin bereitet weiterhin erhebliche Probleme. Am Dienstag (6.01.2025) haben rund 25.000 Haushalte noch immer keinen Strom. Mittlerweile sind hunderte Einsatzkräfte, darunter viele Ehrenamtliche von Feuerwehr, THW und den Großen Hilfsorganisationen vor Ort, um die Infrastruktur notdürftig aufrecht zu erhalten. NRW hat fünf Energiemodule geschickt, darunter die Einheit vom Löschzug Spenge-Lenzinghausen, um die Stromversorgung zu stabilisieren. Weitere folgen im Laufe des Tages. Am Samstagmorgen hatten offenbar Linksextremisten einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke vor dem Kraftwerk Lichterfelde verübt und dadurch die Krise ausgelöst. Die Probleme mit der Stromversorgung sollen nach Behördenangaben noch bis Donnerstag anhalten (Redaktion: kfv-herford.de berichtete bereits).
Am Montagmittag geht das Hilfeersuchen aus Berlin beim NRW-Innenministerium ein. Daraufhin werden 36 Einsatzkräfte mit fünf Netzersatzanlagen des NRW-Katastrophenschutzes in die Hauptstadt beordert. Sie kommen vom Institut der Feuerwehr in Münster (IdF NRW), aus den Kreisen Lippe und Steinfurt und vom Löschzug Spenge-Lenzinghausen. „Die Anforderung erfolgt in enger Abstimmung mit der Senatsverwaltung“, teilt die Berliner Feuerwehr auf ihrer Internetseite mit. Ein Vorauskommando sei bereits vor Ort, um die Einsatzorte abzustimmen. „Die Energiemodule dienen der temporären Stromversorgung und stabilisieren, unabhängig vom öffentlichen Stromnetz, die aktuelle Versorgungslage“, sagt ein Feuerwehrsprecher. Auf der Feuerwache Zehlendorf (Wache 4100) im Stadtbezirk Steglitz-Zehlendorf befindet sich die Örtliche Einsatzleitung (ÖEL). Von hier aus wird der Einsatz der Hilfskräfte koordiniert.
Die Einsatzkräfte aus OWL sind an einem S-Bahnhof in Zehlendorf im Einsatz, um die Stromversorgung zu stabilisieren. (Foto: FW Spenge)
Gemeinsame Schicht: Die Mitglieder der Energiemodule aus den Kreisen Herford und Lippe haben sich zusammengetan.
(Foto: FW Spenge)
Am Montagabend macht sich die „Stromgruppe“ des Löschzugs Spenge-Lenzinghausen auf den Weg in die Hauptstadt. Sie wird von sechs Feuerwehrleuten gebildet und steht unter Leitung von Meik Siemer und Stellvertreter Nico Potthoff. Zur Ausrüstung der Gruppe zählen Gerätewagen Logistik 2 samt Feuerwehr-Anhänger „Notstrom“ des NRW-Katastrophenschutzes. Die Netzersatzanlage mit autarkem Dieselantrieb hat eine Leistung von 250 kVA. Sie kann sowohl zur Energieeinspeisung in Gebäude als auch zur Stromversorgung und zum Ausleuchten großer Einsatzstellen verwendet werden. Die Fahrt über die Autobahn verläuft problemlos. Nach einem Tankstopp in Helmstedt trifft die Stromkomponente aus der Heimat - sie zählt zur 2. Bereitschaft der Bezirksreserve (Herford/Minden-Lübbecke) - gegen 22 Uhr in der Hauptstadt ein. Meik Siemer und seine Leute machen sich sofort an die Arbeit. Sie werden in das Zentrum des Ortsteils Zehlendorf (Bezirk Steglitz-Zehlendorf) beordert. Auch die Kräfte aus dem Kreis Lippe sollen dort helfen. „Mit den beiden Energiemodulen aus Ostwestfalen wird Strom in eine 500-kV-Trafostation eingespeist“, erklärt Nico Potthoff. Der zentrale Platz mit seinem S-Bahnhof und die umliegenden Wohn- und Geschäftshäuser können so wieder mit Strom versorgt werden.
„Bereits gegen 22.50 Uhr ist die erste Netzersatzanlage aus Nordrhein-Westfalen erfolgreich eingeschaltet und an das öffentliche Stromnetz angeschlossen werden“, teilt die ÖEL der Berliner Feuerwehr mit. Die Kräfte aus OWL richten einen Schichtbetrieb von jeweils acht Stunden ein. Während eine Gruppe die laufenden Aggregate überwacht, ruht sich die andere in einer Kaserne aus. „Dort erfolgt auch die Verpflegung durch die Berliner Feuerwehr“, teilt Potthoff weiter mit. Gegen 8 Uhr am Dienstmorgen wechseln die Feuerwehrleute ihre Schichten. Das THW kümmert sich zwischenzeitlich darum, dass die 300-PS-Motoren der Stromaggregate mit Dieselkraftstoff versorgt werden. Viele Anwohner zeigen sich dankbar für die Unterstützung. „Sie reichen Kaffee, Snacks und Obst“, sagt Potthoff. Der Medienrummel ist Riesengroß. Dabei stehen auch die Helfer aus OWL und ihr Einsatz in Zehlendorf im Blickpunkt. „Wir waren schon im Fernsehen auf n-tv zu sehen!“, berichtet Potthoff stolz. Der Einsatz der Energiemodule aus OWL und dem Münsterland zeigt derweil Wirkung. Fünf zusätzliche Netzersatzanlagen des NRW-Katastrophenschutzes werden von der Senatsverwaltung angefordert. Die treffen gegen 12 Uhr in Berlin ein. „Weitere Gebiete können so zuverlässig mit Strom versorgt werden“, sagt ein Sprecher der Hauptstadtfeuerwehr. Und weiter: „Wir danken den Kräften aus Nordrhein-Westfalen für ihre Unterstützung und für ihren schnellen Einsatz.“
Am Samstagmorgen (3.01.2025) war die Berliner Feuerwehr um 6.12 Uhr zu einem brennenden Baucontainer unter einer Kabeltrasse über den Teltowkanal gerufen worden. Durch den Brand unter der Strombrücke kam es zu einem großflächigen Stromausfall im Südwesten von Berlin. Zeitweise waren 45.000 Haushalte und 2.000 Gewerbetreibende von der Energieversorgung abgeschnitten. Die Feuerwehr richtete neun Notrufannahmepunkte ein – u.a. in den S-Bahnhöfen Wannsee und Zehlendorf sowie der Feuerwache Wannsee. Mehrere öffentliche Gebäude, darunter der Bürgersaal im Rathaus Zehlendorf, wurden in Notunterkünfte verwandelt. Zusätzliche, vor allem kirchliche Einrichtungen öffneten ihre Türen. Hier können sich betroffene Bürger/innen aufwärmen, bekommen etwas Warmes zu trinken und haben die Möglichkeit, ihre Handys aufzuladen (Redaktion: kfv-herford.de)
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Feuerwehr-Anhänger „Notstrom“ der Kreise Herford und Lippe. (Foto: FW Spenge)
Bei eisigen Temperaturen wird der Strom in eine Umspannstation eingespeist. (Foto: FW Spenge)
Örtliche Einsatzleitung an der Feuerwache Zehlendorf. (Foto: Berliner Feuerwehr)