Die Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung stärken!

Ein Vorrat kann in vielen Situationen helfen.

Notvorrat BBKKreis Herford. Extremwetter, Extremismus und angespannte Sicherheitslage: Vor diesem Hintergrund gewinnen der Katastrophen- und Zivilschutz zunehmend an Bedeutung. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr, des THW und der großen Hilfsorganisationen können in Krisenzeiten aber nicht überall gleichzeitig helfen und sofort alle Probleme lösen. „Es geht deshalb darum, die Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung zu stärken“, sagt Kreisbrandmeister Bernd Kröger, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Herford.

Aus Sicht vieler Experten ist Deutschland noch nicht ausreichend auf den Krisenfall – sei es durch Naturkatastrophen, Blackouts oder militärische Konflikte – vorbereitet. Jeder sollte in den ersten Tagen einer Krise autark sein, also selbst für sich sorgen können. Staatliche Hilfe treffe möglicherweise erst nach 72 Stunden ein, sagt Kröger. „Deshalb ist Eigeninitiative gefragt.“ Mit regelmäßigen Warntagen wird bereits für den Ernstfall geprobt. Doch es gebe weiterhin Nachholbedarf, so der Feuerwehrchef. „Es muss ein umfassendes Risiko- und Gefahrenbewusstsein entwickelt werden!“ Der Anschlag auf das Stromnetz in Berlin hat gerade erst wieder gezeigt, wie schnell der Katastrophenfall eintreten kann. Extremwetterlagen können die Einrichtungen der kritischen Infrastrukturen ebenfalls beeinträchtigen. „Beim Schneechaos im Münsterland im Jahr 2005 ist es auch zu tagelangen Stromausfällen gekommen“, erinnert der Kreisbrandmeister. Cyberangriffe, also digitale Angriffe auf die Einrichtungen der kritischen Infrastrukturen können zudem zu erheblichen Beeinträchtigungen führen. In der Vergangenheit wurden bereits Firmen, Behörden und Krankenhäuser auf diese Weise attackiert.

Elbehochwasser 2002 Harald Weber WikiExtremwetterlagen können die Infrastruktur zerstören. Wer ausreichend vorgesorgt hat, kann die ersten Tage ohne staatliche Unterstützung überbrücken. (Foto Elbehochwasser 2002: Harald Weber, Wikipedia)

Notvorrat BBKEinen Notvorrat an Lebensmitteln und Getränken halten Experten für sinnvoll, um sich in Krisenzeiten autark versorgen zu können. (Abb. BBK)

Lebensmittel bevorraten, Taschenlampe und Kurbelradio parat haben.

Ein Notvorrat kann in vielen Situationen hilfreich sein, so Kröger, etwa wenn der Supermarkt wegen einer Extremwetterlage nicht mehr zu erreichen ist. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn empfiehlt, Lebensmittelvorräte für zehn Tage anzulegen. „Aber auch ein Vorrat für mindestens drei Tage hilft schon sehr“, sagt Kröger. Das entlaste die Einsatzkräfte. „Die können sich dann zunächst um die Menschen kümmern, die sich aufgrund ihres Alters oder einer Erkrankung nicht mehr selbst helfen können.“ Ein Mensch kann theoretisch drei Wochen ohne Nahrung überleben, aber nur wenige Tage ohne Flüssigkeit, weshalb Wasser und Getränke Priorität haben. Das BBK rät pro Person und Woche 14 Liter Flüssigkeit, vorzugsweise Mineralwasser, zu bevorraten. Dosenfleisch und -fisch, Kekse und andere Trockenprodukte sind Lebensmittel mit langer Haltbarkeit, die auch kalt verzehrt werden können. Sie eignen sich daher besonders gut zur Bevorratung. Die Experten des BBK empfehlen zudem, einen Vorrat an Kerzen, Streichhölzern, Taschenlampen und Batterien anzulegen. Campingkocher, Kurbeltaschenlampen, Solar- und LED-Leuchten eignen sich ebenfalls ideal zur Krisenvorsorge. Oftmals bleibt den Betroffenen nur das Radio, um Informationen zu empfangen, die möglicherweise überlebenswichtig sind. Jeder Haushalt sollte deshalb über ein batteriebetriebenes Rundfunkgerät oder ein Kurbelradio, das ohne Steckdose und Batterien auskommt, verfügen. Zudem rät das BBK einen gepackten Notfallrucksack mit warmer Kleidung, Essgeschirr, Taschenlampe, Medikamenten und einer Dokumentenmappe griffbereit zu haben. Die Erfahrungen der Vergangenheit, etwa bei der Flutkatastrophe im Jahr 2021, zeigen, dass die Mobilfunknetze bei außergewöhnlichen Ereignissen schnell überlastet sind. Deswegen sollte im Krisenfall das Telefonieren auf das Nötigste beschränkt werden. „Damit wird eine Überlastung der Kommunikationsnetze vermieden, sodass Polizei und Feuerwehr bei Notfällen weiterhin erreichbar bleiben“, sagt der Feuerwehrchef.

Investitionen in den Zivil- u. Katastrophenschutz.

Bund und Länder haben in den zurückliegenden Jahren bereits verstärkt Bemühungen unternommen, um den Zivil- und Katastrophenschutz zu stärken. So hat das NRW-Innenministerium im vergangenen Jahr ein zentrales Katastrophenschutzlager in Betrieb genommen. Hier werden wichtige Einsatzmittel, wie Pumpen, Kettensägen, Zelte und Schutzkleidung bereitgehalten, um bei großen Katastrophen schnell helfen zu können. Der genaue Standort des Magazins ist aus Sicherheitsgründen geheim. Zudem verfügt NRW über ein gut ausgebautes Netz der vorgeplanten überörtlichen Hilfe. Allein im Regierungsbezirk Detmold gibt es vier Bereitschaften (1. Bereitschaft Bielefeld, 2. Herford/Minden-Lübbecke, 3. Paderborn/Höxter u. 4. Lippe/Gütersloh), die aus verschiedenen Komponenten der Feuerwehr und der großen Hilfsorganisationen bestehen und nach kurzer Vorlaufzeit einsatzbereit sind. Die Teilkomponenten „Strom“ der 2. und 4. Bereitschaft waren zuletzt in Berlin im Einsatz. Auch die Einsatzausrüstung an der Kreisfeuerwehrzentrale in Hiddenhausen-Eilshausen werde ständig verbessert, erklärt Bernd Kröger. Zuletzt hatte der Kreis Herford in Kooperation mit dem Werre-Wasserverband eine Hochleistungspumpe beschafft, mit der bis zu 10.000 Liter Schmutzwasser pro Minute abgepumpt werden können. „So sind wir auf Hochwassersituationen besser vorbereitet“, sagt der Feuerwehrchef. (Redaktion: kfv-herford.de)

-Vo-

Das Wichtigste in Kürze:

Wasser/Getränke:
Zwei Liter pro Person und Tag, insgesamt etwa 20 Liter für zehn Tage, einschließlich Wasser für die Lebensmittelzubereitung. Trinkwasser ist wichtig, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und Körperfunktionen aufrechtzuerhalten.

Haltbare Lebensmittel:
Lebensmittel, die ohne Kühlung haltbar sind, etwa 2.200 Kalorien pro Person und Tag: Doseneintöpfe, Nudeln, Reis, Dosenfrüchte und -gemüse.

Medikamente/Hygieneartikel:
Persönliche Medikamente, eine gut sortierte Hausapotheke, Seife, Waschmittel, Zahnpasta, Feuchttücher und Toilettenpapier. Hygiene ist bei Wasserknappheit entscheidend.

Informationsgewinnung und Energie:
Kurbelradio, Kerzen, Streichhölzer, Batterien und ein Campingkocher.

Notfalltasche/Notgepäck (für den Fall der Evakuierung):
Ein gepackter Notfall-Rucksack mit warmer Kleidung, Essgeschirr, Taschenlampe, Medikamenten und einer Dokumentenmappe.

Mehr Informationen?

Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
www.bbk.bund.de 

Innenministerium des Landes NRW
www.im.nrw/themen/gefahrenabwehr/selbstschutzguide