„Blaulichtmeile“ in der Bünder Innenstadt
Bünde. Die „Blaulichtmeile“ in der Bünder Innenstadt hat am Samstag (30.05.2026) für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Beteiligt waren neben der Feuerwehr Bünde auch der Rettungsdienst des Kreises Herford, das örtliche Technische Hilfswerk (THW), Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und die NRW-Polizei. Sie präsentierten sich auf der Bahnhofstraße und dem Rathausplatz. Viele Bürger/innen nutzten die Gelegenheit, um bei den Rettern Station zu machen. Am Ende zeigte sich Wehrführer Matthias Brand zufrieden: „Das war eine gute Werbung für die Blaulichtorganisationen!“
Am Vormittag sind Vertreter aus Politik und Verwaltung, darunter Bürgermeisterin Susanne Rutenkröger, auf den Rathausplatz gekommen, um sich an den Ständen von Feuerwehr, THW und DRK zu informieren. Doch der Rundgang muss abrupt unterbrochen werden, als die Funkmelder der Feuerwehrleute schrillen. An der Brunnenstraße soll eine Wohnung brennen - und das ist keine Übung, wie die Lokalprominenz zunächst glaubt, sondern bittere Realität. Im Nu verlassen mehrere Löschfahrzeuge die „Blaulichtmeile“. Minuten später retten die Wehrleute einen Mann aus seiner verqualmten Wohnung im Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses. Er hat zuvor Unkraut auf dem Balkon abgeflammt. Dabei sind Hausrat und die Dachtraufe in Brand geraten. Der Mann und seine Ehefrau werden leicht verletzt ins nahe Krankenhaus eingeliefert. Die Feuerwehrleute können den Brand schnell löschen und kehren nach und nach zum Aktionstag zurück.
Feuerwehr, THW und DRK präsentieren sich mit Infoständen direkt vor dem Bünder Rathaus.
Zwei PKW sind „kollidiert“. Feuerwehr und Rettungsdienst kümmern sich gemeinsam um die „verletzten Insassen“.
Am Info-Stand der Feuerwehr brennt derweil eine Mülltonne. Diesmal handelt es sich glücklicherweise um ein simuliertes Feuer. Die Feuerwehrleute rücken auf diese Weise den „Vorbeugenden Brandschutz im Privathaushalt“ in den Blickpunkt. Rauchwarnmelder für Schlafräume, Kinderzimmer und Flure sind in Deutschland mittlerweile vorgeschrieben. Feuerlöscher sind hingegen keine Pflicht, jedoch dringend empfohlen. Mit einem verbrannten Kochtopf warnen die Feuerwehrleute vor den Gefahren einer Fettexplosion. „Legen sie einen passenden Deckel, ein großes Backblech oder eine Löschdecke auf das brennende Gefäß“, rät ein Feuerwehrmann, „um so die Flammen zu ersticken.“ Im Kreis Herford verzeichneten die Feuerwehren zuletzt deutlich mehr Brandeinsätze. Die Zahl ist von 555 im Jahr 2024 auf 876 im vergangenen Jahr gestiegen.
Fahrzeugschau und Popcornverkauf
Mit dem TLF 4000, das bei der Löschgruppe Muckum stationiert ist, zeigen die Feuerwehrleute ein besonderes Einsatzfahrzeug. Der Tatra Force T815-7 (4x4) verfügt über Allradlenkung und Luftfederung, hat 4.000 Liter Wasser im Tank und ist vorwiegend für die Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung gedacht. Der Gerätewagen Gefahrgut (GW-G) – ausgelegt für ABC-Einsätze – und der Gerätewagen Logistik 1 (GW-L 1) – ausgerüstet für die Technische Hilfe, sind auf der „Blaulichtmeile“ ebenfalls zu sehen. Jugendwart Maik Beckmann und seine Truppe haben sich mit ihrem Stand direkt vor der Eingangstür des örtlichen Kaufhauses postiert, wo sie Popcorn verkaufen.
Das THW vom Ortsverband Bünde, bestehend aus Bergungsgruppe und Fachgruppe Notversorgung/Notinstandsetzung, hat seinen Gerätekraftwagen (GKW) und 50-kVA-Notstromanhänger samt Lichtmast mitgebracht. Auf dem Rathausplatz demonstrieren die „Bundesretter“ ihr Einsatzsystemgerüst (EGS), ein flexibles Modulgerüstsystem, mit dem Arbeitsplattformen aber auch Stützbauwerke errichtet werden können. Etwas unterhalb ist die DLRG zu finden. Vor Ort sind der Führungstrupp des Wasserrettungszugs vom Ortsverein Bünde und der Ortsverein Porta-Westfalica mit einem 100-PS-starken Motorrettungsboot. Gleich daneben zeigt die Löschgruppe Holsen eine Hochleistungspumpe, die der Kreis Herford beschafft hat. Sie ist für eine Schmutzwasserleistung von 10.000 Litern pro Minute ausgelegt. Die Polizei Bünde klärt derweil über die Gefahren von E-Scootern auf, während der Rettungsdienst Kreis Herford für den Beruf des Notfallsanitäters/der Notfallsanitäterin wirbt.
VU Rathausplatz: Fahrzeug brennt!
Dann wird es (wieder einmal) hektisch. Auf dem Rathausplatz sind ein VW Golf und ein Mitsubishi Colt „kollidiert“. Die Insassen sind verletzt und können sich nicht selbst befreien, so die angenommene Lage. Sofort machen sich Feuerwehr und Rettungsdienst auf den Weg. Sie müssen sich beeilen, denn der Motorraum des VW steht mittlerweile in Brand. Einsatzleiter Michael Fliegert ist als Erster vor Ort. Er rettet ein Kleinkind, das sich in einer Babyschale auf dem Rücksitz des Mitsubishi befindet. Wenig später sind die Löschzüge Mitte und Hunnebrock sowie die Sanitäter vom Kreis Herford und DRK Ortsverband Bünde ebenfalls an der „Unfallstelle“. „Viele Dinge laufen jetzt parallel“, so Wehrführer Matthias Brand, der die Übung moderiert. Während die Feuerwehrleute die technische Rettung der beiden PKW-Fahrer vorbereiten, kümmert sich der Rettungsdienst um deren medizinische Versorgung. Mit hydraulischen Rettungsgeräten entfernen die Einsatzkräfte bei beiden Fahrzeugen die B-Säulen, um große Befreiungsöffnungen zu schaffen. Die „Verletzten“, dargestellt von Mitgliedern der Jugendfeuerwehr, können so patientengerecht bzw. patientenorientiert gerettet werden.
Jens Vogelsang
(Text u. Fotos)


Stand der Jugendfeuerwehr
TLF 4000 der Feuerwehr Bünde: Tatra Force T815-7 (4x4)




Das THW zeigt ein Einsatzgerüstsystem.
Gerätewagen-Gefahrgut

Motorrettungsboot der DLRG
50-kVA-Stromerzeuger des THW
THW-Gerätekraftwagen
„Schwerer Unfall“ auf dem Rathausplatz: Einsatzleiter Michael Fliegert (Foto) erkundet die Lage.





Beide PKW-Fahrer und ein „Kleinkind“ können gerettet werden.