Fünf Jahre danach.

Katastrophenschutz weiterentwickelt

Hochwasser aDüsseldorf. In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 kam es im Westen Deutschlands zu der verheerendsten Naturkatastrophe der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen forderte über 180 Menschenleben und hinterließ schwere Zerstörungen. Während viele Betroffene noch immer mit den Folgen kämpfen, wurde massiv in den Ausbau des Katastrophenschutzes investiert. Das NRW-Innenministerium informierte dazu am Montag (13.07.2026) in Düsseldorf.

„Fünf Jahre nach der Hochwasserkatastrophe denken wir an die Menschen, die ihr Leben verloren haben“, so Innenminister Herbert Reul. „Gleichzeitig gilt unser Dank den Einsatzkräften sowie den vielen Helferinnen und Helfern, die sofort zur Stelle waren und Enormes geleistet haben.“ Die Folgen der Katastrophe seien bis heute spürbar. Deshalb habe man den Katastrophenschutz schlagkräftiger gemacht und werde ihn weiter ausbauen. Bis 2032 investiert das Land mindestens 225 Millionen Euro in die Beschaffung von Fahrzeugen und Ausstattungsgegenständen. Am Ende reiche die Technik alleine aber nicht aus. „Katastrophenschutz ist Teamwork“, so der Minister. „Nur wenn alle Hand in Hand zusammenarbeiten, funktioniert er im Ernstfall.“ Ähnlich äußerte sich Grit Tüngler, die Präsidentin des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). „Die  Flutkatastrophe war ein Auftrag, den Bevölkerungsschutz konsequent weiterzuentwickeln.“ Vieles habe man seitdem verbessert. „Diesen Weg müssen wir gemeinsam weitergehen“, meinte die Behördenleiterin.

Hochwasser aDie Flutkatastrophe im Jahr 2021 hat in Rheinland-Pfalz und NRW gewaltige Zerstörungen angerichtet. (Foto Ahrtal: IM Rheinland-Pfalz)


20241005 110413Der Katastrophenschutz in NRW ist mittlerweile gut aufgestellt.
In allen Regierungsbezirken gibt es HFS-Systeme, die über zusätzliche „Flood-Module“ (Förderleistung bis zu 50.000 Liter pro Minute) verfügen.
(Foto: Archiv Redaktion: kfv-herford.de)   

Nordrhein-Westfalen hat zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht, um auf künftige Krisen besser vorbereitet zu sein. Die Stärkung des Katastrophenschutzes ist Teil eines 15-Punkte-Plans, den das Kompetenzteam nach der Hochwasserkatastrophe 2021 vorgelegt hat. Ein Großteil der Empfehlungen konnte inzwischen umgesetzt werden. „Der Katastrophenschutz der Zukunft ist in NRW auf einem guten Weg“, so Herbert Reul. Anlässlich des 5. Jahrestags präsentierte der NRW-Innenminister Fahrzeuge und Geräte, die zum Teil als Konsequenz aus der Flutkatastrophe angeschafft wurden. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), das  Deutsche Rote Kreuz (DRK) Nordrhein sowie die Feuerwehr Oberhausen und das Institut der Feuerwehr (IdF) in Münster hatten die Ausrüstung mit nach Düsseldorf gebracht. Vorgestellt wurden unter anderem:

Water-Gate Wassersperre

Dabei handelt es sich um einen mobilen Schutzdamm, mit dem sich beispielsweise Tiefgaragen schützen lassen. Zehn solcher Wassersperren wurden angeschafft und auf die Regierungsbezirke verteilt, um den Einsatz regelmäßig üben zu können.

Geräteanhänger Strömungsrettung 

Der für den Katastrophenschutz konzipierte DLRG-Anhänger dient der schnellen Bereitstellung von Spezialgeräten zur Menschenrettung in Fließgewässern. Er ist neben einem motorisierten Schlauchboot insbesondere mit Seil- und Sicherungstechnik sowie  medizinischem Material beladen.

Hytrans Fire System

Das Hytrans Fire System (HFS) ist ein mobiles Hochleistungs-Wasserfördersystem. Es ist speziell für die Löschwasserversorgung über lange Wegstrecken (bis zu zwei Kilometer), aber auch für das Abpumpen von großen Wassermengen aus überfluteten Bereichen konzipiert. Im  Gerätewagen Logistik NRW (GW-L NRW) werden zusätzlich spezielle „Flood-Module“ mitgeführt. Sie bestehen aus drei hydraulisch betriebenen Lenzpumpen und 12-Zoll-Hochwasserschläuchen, mit denen bis zu 50.000 Liter Wasser pro Minute über kurze Distanzen abgepumpt werden können. In NRW gibt es insgesamt 16 gleichwertige Systeme, davon wurden elf zentral vom Land beschafft. (Hinweis: Die Landesbeschaffung erfolgte bereits vor der Flutkatastrophe.)

Energiemodul
Der Feuerwehr-Anhänger „Notstrom“ (FwA-Notstrom) besteht aus einer Netzersatzanlage mit einer Leistung von 250 kVA. Die Anlage kann zur Einspeisung in Gebäude oder Teilnetze bei einem großflächigen Stromausfall sowie zur Stromversorgung und zum Ausleuchten von Großeinsatzstellen eingesetzt werden. Das Land verfügt über 25 dieser  Energiemodule. (Hinweis: Die Landesbeschaffung erfolgte bereits vor der Flutkatastrophe.)

Daneben wurden „Hochwasser-Pakete“ aus dem 2025 eingerichteten Katastrophenschutzlager des Landes gezeigt. Sie beinhalten unter anderem Pumpen, kleinere Stromaggregate sowie Sandsäcke und können von den Städten und Kreisen im Bedarfsfall angefordert werden. Zudem wurde eine Überflutungslage am Computer simuliert. Das Lage- und Planungssystem des Landes bildete dazu die Realität als „digitalen Zwilling“ in einer 3D-Karte ab. Behörden und Organisationen der Gefahrenabwehr können zur Einsatzvorbereitung und -durchführung über das geschützte Intranet des Landes auf den „Digitalen Zwilling Gefahrenabwehr – DZG“ zugreifen.

Der Katastrophenschutz liegt in Deutschland in der Verantwortung der Länder. Auch die Kommunen übernehmen insbesondere im Brand- und Rettungswesen wichtige Aufgaben für die Sicherheit der Bevölkerung. Der Bund ist vor allem für den Zivilschutz im Spannungs- und Verteidigungsfall zuständig. Gerade bei großflächigen Schadenslagen zeigt sich jedoch die Bedeutung eines engen Zusammenwirkens aller Ebenen. Der Bund mit dem BBK unterstützt die Länder dabei unter anderem durch Information, Beratung, Koordination, gemeinsame Lagebilder sowie durch die Bereitstellung von Ressourcen und Fähigkeiten.

Eine weitere wichtige Konsequenz aus der Flutkatastrophe war die Weiterentwicklung des Warnsystems. Mit der Einführung von Cell Broadcast können Warnmeldungen nun direkt auf die Mobiltelefone in einem betroffenen Gebiet gesendet werden – schnell und unabhängig von einer installierten App. Gleichzeitig wurde der Ausbau der Sireneninfrastruktur vorangetrieben. (IM NRW, BBK, Redaktion: kfv-herford.de)

                                                                                                                                                   -Vo-