Größter Waldbrand in der Landesgeschichte

Helfer aus allen Teilen NRWs sind im Hürtgenwald im Großeinsatz

Waldbrand Hürtgenwald NDG aKreis Düren. Das trocken-heiße Sommerwetter hat an mehreren Stellen im Land Vegetations- und Waldbrände ausgelöst. So wütet im Hürtgenwald (Kreis Düren) noch immer ein Großbrand (15.08.2026). Mittlerweile sind 1.400 Helfer - Feuerwehrleute, Kräfte des THW, der großen Hilfsorganisationen und Soldaten der Bundeswehr - vor Ort, um die Lage in den Griff zu bekommen. Bereits am Vortag waren 1.800 Menschen evakuiert worden. Nun äußern sich Krisenstab und Einsatzleitung vorsichtig-optimistisch: In der Nacht sei es zu keiner weiteren Brandausbreitung gekommen. Das Großfeuer hat eine Fläche von mehr als 300 Hektar oder drei Millionen Quadratmetern erfasst. Forstministerin Silke Gorißen, die sich vor Ort ein Bild der Lage gemacht hat, dankte allen beteiligten Einsatzkräften. Sie sprach vom „größten Waldbrand in der NRW-Landesgeschichte“.

Der Leitstelle Düren werden am Donnerstagnachmittag (13.08.2026) gleich drei Brände an unterschiedlichen Stellen gemeldet. Betroffen ist ein Waldgebiet in der Gemeinde Hürtgenwald (rd. 9.000 Einwohner) mitten in der Eifel/Rureifel – einer Landschaft, die durch extrem ausgedehnte Waldgebiete und tief eingeschnittene Flusstäler geprägt ist. Zwei Brände können die örtlichen Löschgruppen der Freiwilligen Feuerwehr Hürtgenwald mit Unterstützung von Kräften aus der Umgebung schnell ablöschen. Doch das dritte Feuer breitet sich in dem ausgedörrten und zudem munitionsbelasteten Waldgebiet – hier fanden gegen Ende des Zweiten Weltkriegs schwere Kämpfe statt – rasend schnell aus. Selbst mit Hilfe aller Feuerwehreinheiten aus dem Kreisgebiet ist die Lage nicht mehr beherrschbar. Landrat Dr. Ralf Nolten ruft deshalb noch am Donnerstagabend die Großschadenslage aus. Der Krisenstab tritt im Kreishaus zusammen, um alle administrativ-organisatorischen Aufgaben zentral zu steuern. Kreisbrandmeister Karlheinz Eismar übernimmt währenddessen die Funktion des operativ-taktischen Einsatzleiters.

Waldbrand Hürtgenwald NDG aIm Hürtgenwald in der Rureifel ist ein Waldbrand ausgebrochen, der schnell um sich greift.
(Foto: NDG/Wikipedia)

Waldbrand Hürtgenwald Kreis Düren bHubschrauberbesatzungen übernehmen die Brandbekämpfung aus der Luft. (Foto: Kreis Düren)

Einsatzleitung ordnet Evakuierung an

Eine Koordinierungsgruppe des NRW-Innenministeriums mobilisiert in den folgenden Stunden hunderte Feuerwehrleute, die zur Verstärkung ausrücken. Noch am Donnerstagabend kreist ein Hubschrauber der Polizeifliegerstaffel NRW über dem Hürtgenwald. Er ist mit einem Außenlastbehälter („Bambi Bucket“ mit 820 Litern) ausgerüstet und wirft das Löschwasser aus der Luft ab. In der Dunkelheit der Nacht spitzt sich die Lage zu. Wechselnde Winde treiben die Brände, es handelt sich dabei um eine Mischung aus Boden- und Wipfelfeuern, in immer neue unvorhersehbare Richtungen. Mittlerweile ist der Brand bis auf 500 Meter an die Ortschaft Gey herangerückt. Als gegen 4 Uhr morgens der Wind erneut dreht, zieht die Einsatzleitung die Notbremse und ordnet die sofortige Räumung an. 1.800 Menschen müssen Hals über Kopf ihre Wohnungen verlassen. Sie werden zunächst in einer Grundschule im Nachbarort Straß untergebracht und später wegen des Ascheregens in eine Dürener Förderschule verlegt.
Am Freitag trifft nach und nach weitere überörtliche Hilfe ein. Die 3. Bereitschaft der Bezirksreserve Köln (Rhein-Erft-Kreis, Stadt Köln) ist bereits am frühen Morgen mit rund 130 Feuerwehrleuten und 30 Fahrzeugen vor Ort, um bei der Brandbekämpfung im Bereich der bedrohten Ortschaften Gey und Kleinhau zu unterstützen. Weitere Bereitschaften rücken aus den Regierungsbezirken Köln (5. Bereitschaft), Düsseldorf (3. und 4. Bereitschaft) und Münster (2. Bereitschaft) an. Kräfte des Wasserförderzugs aus Bergisch Gladbach (Rheinisch-Bergischer Kreis) bringen das HFS-System (Hytrans Fire System) in Stellung. Sie verlegen kilometerlange F-Schlauchleitungen (150 Millimeter Durchmesser), um die Löschwasserversorgung sicherzustellen. Das auf Vegetationsbrandbekämpfung spezialisierte EU-Waldbrandmodul (GFFF-V DE1) mit Kräften aus Bonn, Königswinter, Düsseldorf und Leverkusen leistet ebenfalls Unterstützung. Zudem schickt die Bereitschaftspolizei NRW vier Wasserwerfer in das Katastrophengebiet.
Am Freitagnachmittag sind mehrere Hubschrauber über dem Hürtgenwald im Löscheinsatz. Darunter befinden sich schwere Maschinen der Bundespolizei-Fliegerstaffel in Sankt Augustin bei Bonn und zwei NH90-Hubschrauber des Bundeswehr-Transporthubschrauberregiments 10 „Lüneburger Heide“ (Faßberg/Niedersachsen). Die Maschinen fliegen unter anderem die Wehebachtalsperre an, um dort Löschwasser aufzunehmen, das sie anschließend über dem Brandgebiet wieder abwerfen. Unzählige mobile 5.000-Liter-Faltbehälter dienen zudem als Löschwasserpuffer, um die Hubschrauber und die bodengebundenen Löschtrupps pausenlos mit Löschmittel zu versorgen. Die Feuerwehrleute rücken dabei im Pump-and-Roll-Betrieb vor – gemeint ist damit die Abgabe von Löschwasser, während das Tanklöschfahrzeug langsam voranfährt. Sie müssen äußerst vorsichtig vorgehen: Vereinzelt ist die Explosion von Weltkriegsmunition zu hören, ohne dass sich dabei Menschen verletzen.

Waldbrand Hürtgenwald Kreis Düren cMaschine der Polizeifliegerstaffel NRW mit „Bambi Bucket“. (Foto: Kreis Düren)

Bergepanzer reißt Schneisen

Noch immer breitet sich das Feuer weiter aus. Gegen 15.30 Uhr meldet der Krisenstab im Kreishaus, dass die Feuerfront nur noch rund 150 bis 200 Meter vor dem Ortsteil Gey steht. Wegen der drehenden Winde sei die Lage weiterhin „dynamisch“. Zeitweise arbeitet die Feuerwehr mit gezielten Gegenfeuern, um den Brand einzudämmen. Währenddessen leistet die Bundeswehr auch am Boden wertvolle Unterstützung. Von der Technischen Schule des Heeres (TSH) im nahen Aachen sind Soldaten mit zwei Bergepanzern „Büffel“ abkommandiert worden. Sie reißen breite Schneisen in den Wald, um die außer Kontrolle geratene Feuerfront aufzuhalten. Großer Respekt ist zudem den Landwirten der Region zu zollen, die mit ihren Traktoren samt Güllefässern vor Ort sind, um pausenlos weiteres Löschwasser im Pendelverkehr herbeischaffen. Neben dem Wassertransport nutzten die Bauern ihre Traktoren mit Pflügen und Grubbern, um trockene Ackerflächen rund um die Ortschaft Gey massiv umzupflügen und dadurch Brandschutzstreifen zu schaffen. Im Internet wird die Katastrophe, bei sich nach jetzigem Stand fünf Einsatzkräfte verletzt haben, derweil genutzt, um Angst und Panik zu schüren. So verbreiten sich in den Sozialen Medien Informationen über brennende Häuser. „Wir können das n i c h t bestätigen“, entgegnet die Kreisverwaltung auf ihrer Internetseite.
Am Samstag werden die Löscharbeiten mit allen verfügbaren Kräften fortgesetzt. Mittlerweile stehen zehn Hubschrauber der Bundespolizei, Landespolizei und der Bundeswehr zur Verfügung. Der Ortsteil Gey bleibt vorerst aus Sicherheitsgründen evakuiert. Landrat Nolten telefoniert mit Bundeskanzler Friedrich Merz. Der Regierungschef informiert sich zur aktuellen Lage und bedankt sich ausdrücklich bei allen Helferinnen und Helfern. (Kreis Düren, WDR, Redaktion: kfv-herford.de)

-Vo-

Bild2Die Löscharbeiten in den unwegsamen Waldgebieten gestalten sich schwierig - vor allem deshalb, weil Weltkriegsmunition im Boden lauert. (Foto: FW Meerbusch)

Bild1Die Bundeswehr unterstützt mit Bergepanzern. (Foto: FW Erkrath)