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"Leitstelle Herford" geht mit modernster Technik in Betrieb

Zweite Bauphase auf dem Gelände der Kreisfeuerwehrzentrale abgeschlossen

DSC_0927Der Neubau der Kreisleitstelle in Hiddenhausen-Eilshausen hat mehr Zeit in Anspruch genommen als gedacht. Doch am Ende ist das Ergebnis entscheidend: Der Kreis Herford verfügt jetzt über eine der landesweit modernsten Funk- und Führungszentralen für den Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz. Am Mittwoch (21.11.2012) wurden die neuen Räumlichkeiten und ihre zukunftsweisende Technik nun in Betrieb genommen. „Damit ist ein großes Stück mehr Sicherheit für die Bürger verbunden, meint Kreisbrandmeister Wolfgang Hackländer“. Er hatte sich im Vorfeld über viele Jahre hinweg für die Umsetzung des Projektes eingesetzt.

In den letzten Wochen hatten die Techniker und Handwerker Extraschichten eingelegt. Sprichwörtlich bis zur letzten Minute wurde an der Fertigstellung der neuen „Kommandozentrale“ an der Königsberger Straße gearbeitet, um den mehrfach verschobenen Fertigstellungstermin einzuhalten. Noch am Wochenende waren die Maler im Haus. Am Mittwoch wird die moderne Technik schließlich Schritt für Schritt „freigeschaltet“. Genau um 15.06 Uhr läuft der erste Notruf im Neubau ein, den Disponent Marcel Fischer sofort entgegennimmt. Im Ernst-Louisen-Heim in Herford wird dringend der Rettungsdienst gebraucht. Fischer legt den Ansatz an und löst Alarm aus. Wenig später sind Notarzt und Rettungswagen unterwegs. Die „Premiere“ hat reibungslos geklappt, alle Systeme der neuen Leitstelle laufen einwandfrei. Kreisbrandmeister Wolfgang Hackländer und Thomas Twelsiek, er ist als Administrator für den Einsatzleitrechner zuständig, sind erleichtert. „Das war für mich ein Ereignis, das ich so schnell nicht vergessen werde“, sagt der Kreisbrandmeister anschließend. Im vergangenen Jahr wurden von den Mitarbeitern der Kreisleitstelle rund 25.000 Notrufe - vom Krankentransport bis zum Großbrand - abgewickelt.

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Die neue Kreisleitstelle an der Königsberger Straße hat ihren Betrieb aufgenommen.

Die Funkzentrale ist das Herzstück der neuen Kreisleitstelle. Sie ist im Obergeschoss des schlichten Funktionsbaus untergebracht. In dem großen, abgedunkelten und klimatisierten Saal stehen insgesamt vier baugleiche Funktische, die mit jeweils fünf Computerbildschirmen ausgestattet sind. Ein fünfter Platz steht bei größeren Unwetter- oder Großschadenslagen für den so genannten Lagedienstführer zur Verfügung. Sechs große Flachbildschirme sind an der Wand angebracht. Sie übertragen wichtige Informationen zum momentanen Einsatzgeschehen und die Bilder der acht Sicherheitskameras auf dem Gelände der Kreisfeuerwehrzentrale. Das Ganze erinnert ein wenig an das NASA-Kontrollzentrum in Houston. Alles sei dreifach abgesichert, sodass die Leitstelle bei technischen Problemen immer handlungsfähig bleibe, erläutert Disponent Holger Klann. Am zentralen Funktisch in der Mitte arbeitet übrigens der Schichtführer. Er ist gleichzeitig der ranghöchste  Mitarbeiter im Raum und wechselt im Bedarfsfall als Lagedienstführer auf Platz fünf (in Reihe zwei), wo er die Arbeit der übrigen Disponenten besser koordinieren kann. Für die Notrufabwicklung ist die Leistelle am Tag mit drei und nachts mit zwei Disponenten ständig besetzt.

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Die Tische sind in der Höhe (ergonomisch) verstellbar.
Dadurch können die Disponenten auch im Stehen arbeiten.

Durch eine Scheibe besteht Sichtkontakt zum Administratorenraum. Von hier aus kümmert sich Thomas Twelsiek  um die „Pflege“ des Einsatzleitrechners, während Frank Schröder für die technische Betreuung des Digitalfunks zuständig ist.  Doch der Nebenraum erfüllt noch eine weitere Funktion: „Im Bedarfsfall können an den drei Computerarbeitsplätzen ebenfalls Notrufe entgegengenommen  und ins System eingespeist werden“, schildert Twelsiek. Damit solle die Gefahr einer Überlastung der Leitstelle, wie etwa beim Orkan „Kyrill“ geschehen, vermieden werden.

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Thomas Twelsiek an seinem Arbeitsplatz. Er kümmert sich auch künftig um
als Administrator um die „Pflege“ des Einsatzleitrechners.

Die gesamte Kommunikationstechnik und das Mobiliar der neuen Kreisleitstelle hat die Firma Eurofunk Kappacher aus
St. Johann im Pongau (Salzburg, Österreich) geliefert. „Die Ausstattung ist von einer sehr hohen Qualität und mit vielen nützlichen Funktionen versehen“, sagt Holger Klann. Über einen Touchscreenbildschirm werden die Notrufe entgegengenommen und der Funkverkehr mit den Einsatzkräften abgewickelt. Die Technik der neuen Leitstelle ist sowohl auf den analogen Funk, als auch auf den Digitalfunk ausgelegt, so Klann. Insgesamt sechs digitale Funkgeräte seien verbaut worden. Ein Fingerdruck auf den Bildschirm genügt außerdem, um die automatische Höhenverstellung des Funktisches in Betrieb zu setzen. „Ich kann so auch im Stehen arbeiten“, meint der Oberbrandmeister. Während einer Zwölfstundenschicht mache dies zumindest zeitweise durchaus Sinn. Auf den Einsatzleitrechner wurde die neuste Leistellensoftware der Firma ISE „aufgespielt“.  Die Version „Cobra 4“(!) (C 4) ist das Beste, was der Softwareentwickler aus Aachen zurzeit zu bieten hat. In den vergangenen Monaten hatten Thomas Twelsiek und Holger Klann das Programm mit den Daten aus dem Kreis Herford gefüttert. 70.000 – 80.000 Datensätze, so schätzt Administrator Twelsiek, seien alleine durch das „Einpflegen“ der Alarm- und Ausrückeordnung der neun Wehren zusammengekommen. ISE-Mitarbeiter Cord-Jochen Häger aus Krefeld steht dem Leitstellenpersonal nun noch den ganzen Dezember über mit Rat und Tat zur Seite. Das Unternehmen hat bereits mehrere Berufsfeuerwehren und Werkfeuerwehren, darunter die Flughafenfeuerwehr Hannover und die Feuerwehr RWE-Niederrhein, mit modernsten Programmen ausgerüstet. Mittelfristig, so die Absprachen, sollen auch die übrigen Leitstellen in Ostwestfalen mit der ISE-Software ausgestattet werden, um eine problemlose Zusammenarbeit über die Kreisgrenzen hinweg zu ermöglichen.

Insgesamt vier Computerbildschirme sind an jedem Funktisch mit dem Einsatzleitrechner verbunden. Über die Bildschirme werden die Notrufe quasi virtuell abgearbeitet. Ein weiterer Bildschirm dient zur Verwaltung des E-Mailverkehrs oder zur Einsichtnahme in die Gefahrgutdatenbank.  Aus einer elektronischen Straßenkarte heraus können die Einsätze eröffnet werden. Hierin sind alle Gebäude im Kreisgebiet eingezeichnet. Wird ein Kartenausschnitt vergrößert, so verwandelt sich die Straßenkarte zum Luftbild. „Ich kann so bei einem gemeldeten Wohnungsbrand bereits Rückschlüsse auf die Art des Gebäudes ziehen“, sagt Holger Klann. Der Computer bestimmt dann anhand des eingegebenen Alarmstichwortes, welche Feuerwehr- und Rettungsdiensteinheiten nach der Alarm- und Ausrückeordnung in Marsch gesetzt werden, an wen SMS-Nachrichten und Faxe zu versenden und welche Türsteuerungen auszulösen sind. Werden Notarzt und Rettungswagen gebraucht, so sendet das System zusätzlich den jeweiligen Einsatzort auf deren eingebaute Navigationsgeräte. Die Routenplanung ist dadurch bereits bei der Abfahrt abgeschlossen. Der Disponent in Eilshausen kann übrigens eine solche Einsatzfahrt mit Navigationsgerät am Bildschirm mitverfolgen und somit über Funk weitere Hinweise zur Anfahrt geben.

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Jeder Funktisch ist mit insgesamt vier Computerbildschirmen für die Einsatzabwicklung
und einem weiteren Bildschirm für den „Verwaltungsrechner“ ausgerüstet.

 

Die zweite Phase des Bauprojektes auf dem Eckgrundstück an der Meierstraße/ Königsberger Straße ist nun abgeschlossen. Im Frühjahr waren bereits die neuen Fahrzeughallen ihrer Bestimmung übergeben worden. Jetzt wird an der gegenüberliegenden Kreisfeuerwehrzentrale weiter gebaut. Dort hat die Modernisierung der Atemschutzwerkstatt bereits begonnen. Weiterhin soll im Bereich der alten Kreisleitstelle ein zusätzlicher Schulungsraum entstehen, der für die Ausbildung der Feuerwehraktiven dringend benötigt wird.

Mit der Inbetriebnahme der neuen Leitstelle ist gleichzeitig die Umstellung der Funkrufnamen im Kreis Herford erfolgt. Der Hintergrund hierfür ist die bevorstehende Einführung des Digitalfunks.   Aus technischen Gründen muss künftig jedes Funkgerät eine bundesweit eindeutige Operativ-Taktische-Adresse (OPTA) führen. Sie ersetzt quasi die bisherigen Funkrufnamen im 4-Meter- und 2-Meter-Band. Die OPTA enthält Zeichen für das Bundesland, die Organisation, die Stadt oder Gemeinde, die Fahrzeugart sowie die Ordnungskennung; bis zu 24 Stellen sind möglich. Die (neue) Kreisleitstelle führt dadurch nicht länger die Bezeichnung „Florian Herford“; sie wird jetzt mit „Leitstelle (Kreis) Herford“ angefunkt.

 

Von Jens Vogelsang
Fotos: W. Hackländer (2), J. Vogelsang (15)

 

Stichwort Kreisleitstelle

 

Die Kreisleitstelle Herford in Hiddenhausen-Eilshausen nahm am 1. Februar 1984 ihren Betrieb auf. Sie ist im Rettungsdienst zentrales Schaltorgan und übernimmt hier alle Lenkungs-, Leitungs- und Koordinierungsaufgaben. Die Mitarbeiter alarmieren die Feuerwehren nach der Alarm- und Ausrückeordnung, sammeln einsatztechnisch wichtige Daten, registrieren sie und werten sie aus. Im Großschadensfall ist die Einrichtung Informations- und Nachrichten-Übermittlungsstelle des Stabes. Der erste Computer der Kreisleitstelle war übrigens ein Telefunken „Telecomp 5201“. Dessen Speicherplatz reichte bereits für 5.000 Straßennamen aus.

Seit dem Jahr 2003 treffen sämtliche 112-Notrufe aus den Ortsnetzen im Kreisgebiet in der Leitstelle ein. Zuvor hatten die Städte Herford, Bünde und Löhne noch eigene Nebenleitstellen unterhalten. Über den Standort der Kreisleitstelle hatte es damals eine heftige Diskussion gegeben. Im Jahr 2005 erfolgte die schrittweise Umstellung auf die digitale Alarmierung. Läuft alles reibungslos, dann beginnt im kommenden Jahr im Kreis Herford das Zeitalter des digitalen Sprechfunkverkehrs. Mit der Umstellung auf die neuen Funkrufnamen ist dazu der erste Schritt bereits getan.

Vo

 

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Die Funkzentrale ist im Obergeschoss des schlichten Funktionsbaus untergebracht.

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Zentraler Touchscreenbildschirm: Er ist die Bedieneinheit zur Notrufannahme,
Alarmierung, aber auch für die automatische Tischsteuerung.

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Aus einer elektronischen Straßenkarte heraus können die Einsätze eröffnet werden.

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Luftbild der Feuerwache Bünde: Ein Rettungswagen mit Navigationsgerät rückt aus.
Der Disponent kann die Fahrt zum Einsatzort am Bildschirm mit verfolgen.

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Disponent Holger Klann ist von seinem modernen Arbeitsplatz begeistert:
„Die neue Leitstelle ist ein großer Schritt nach vorne!“

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Auf sechs Flachbildschirmen sind wichtige Daten und die Bilder der Überwachungskameras zu sehen.

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Der zentrale Arbeitsplatz des Schichtführers. …

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… Er wechselt bei größeren Einsatzlagen als Lagedienstführer an Tisch fünf (im Vordergrund des Fotos). …

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… Außerdem steht für solche Fälle ein zusätzlicher Besprechungsraum zur Verfügung.

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Sind mit der Ausstattung der neuen Leitstelle hoch zufrieden: (v.l.) Holger Klann (Disponent),
Frank Schröder (Administrator Kommunikationstechnik) u. KBM Wolfgang Hackländer

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Die „Aufschaltung“ der Technik ist abgeschlossen. Die Disponenten haben
in neuer Umgebung ihre Arbeit aufgenommen.

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Mittwoch, 21.11.2012, 15.06 Uhr: Marcel Fischer hat gerade den ersten
Notruf entgegengenommen und alarmiert jetzt Notarzt u. Rettungswagen.

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An eine Teeküche für die Pausenzeiten wurde ebenfalls gedacht.