Fahrzeug des Monats
Februar 2026
Lösch- u. Rettungszug (LRZ 2018)
Einsatzfahrzeug der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB, CFF, FFS), Bern
Standort: „SBB Feuerwehr–Intervention“, Zürich Hauptbahnhof (HB)
Technische Daten
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Hersteller |
Windhoff Bahn- u. Anlagentechnik GmbH/Rheine |
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Bestandteile |
Gerätefahrzeug, |
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Gerätefahrzeug |
allgem. Daten - Länge: 22,06 m, - Gewicht: 80 t Antrieb - Generator (für Bordnetz: Typ Deutz Diesel), Feuerlöschanlage - Wurfweite: rd. 70 m (Wasser), rd. 60 m (Schaum), - Frontmonitor, - Tragkraftspritze (800 l/min bei 8 bar), - Schienenrollwagen, |
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Tanklöschwagen |
allgem. Daten - Gewicht: 90 t - ohne bzw. nicht selbstfahrend, Maschinenraum (Löschanlage) - Wasser: 45.000 l, - Wasser-/Schaumwerfer (Führerhausdach), |
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2 x Rettungsfahrzeug |
allgem. Daten Antrieb - wie Gerätefahrzeug Rettungscontainer (Ausrüstung auszugsweise) - Platz für 60 Personen bzw. - Treppenmodul, |
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Gesamtlänge |
rd. 83 m |
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Gesamtgewicht |
326 t |
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Anhängelast |
max. 940 t (bei 2,7 % Steigung) |
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Atemluftvorrat |
1,98 Mio. l in 132 Speicherflaschen |
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Höchstgeschwindigkeit |
100 km/h |
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Besatzung (Mindeststärke) |
Gruppenführer, Triebfahrzeugführer, 2 Feuerwehrleute |
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Indienststellung |
2018 |
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Anschaffungskosten |
rd. 14 Mio. Euro (Schätzung) |
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sonstiges |
Gegenwärtig verfügen die SBB über 16 LRZ in dreiteiliger oder vierteiliger Ausführung. |
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Die Experten der „SBB Feuerwehr–Intervention“ sind Bahnspezialisten, Lokführer, Feuerwehrleute und Sanitäter in einem. Etwa 350 Mitarbeitende versehen ihren Dienst an 15 Standorten, die sich über das gesamte Land verteilen. Sie löschen im Notfall Brände auf und neben der Schiene, intervenieren bei Entgleisungen, Zusammenstößen, Personenunfällen oder wenn Gefahrgut austritt. Die Betriebswehr der SBB kümmert sich somit darum, dass der Bahnverkehr möglichst rasch wieder normal läuft.
Die Dienstgruppen der „SBB Feuerwehr-Intervention“ sind rund um die Uhr einsatzbereit und im Notfall innerhalb von 30 Minuten vor Ort. Etwa 80 Einsatzfahrzeuge auf Schiene und Straße, darunter zurzeit 16(!) Lösch- und Rettungszüge (LRZ), zählen zur Ausrüstung. Die LRZ spielen im Sicherheitskonzept der SBB eine zentrale Rolle. Mit ihnen können andere Schienenfahrzeuge abgeschleppt, Personen evakuiert, Brände bekämpft und Rettungsgeräte transportiert werden. Bern, Biasca (Kanton Tessin), Biel/Bienne (Bern), Brig (Wallis), Chiasso (Tessin), Erstfeld (Uri), Genf, Olten (Solothurn), Pratteln (Basel-Landschaft), Rapperswil SG (St. Gallen), Renens (Waadt), Rotkreuz (Zug), St. Gallen, Winterthur (Zürich) und Zürich zählen zu den Standorten.
Lösch- und Rettungszug (LRZ) der „SBB Feuerwehr-Intervention“ am Standort Zürich Hauptbahnhof (HB). (Foto: SZU/Zürich)
Dieselpowerpacks von MTU sorgen für den Antrieb
Die „SBB Intervention Zürich Hauptbahnhof“ verfügt über die neuste Lösch- und Rettungszug-Generation. Der „LRZ 2018“, den das Unternehmen Windhoff Bahn- und Anlagentechnik (Rheine) gemeinsam mit Dräger Safety (Lübeck) gebaut hat, ist vierteilig und besteht aus einem Gerätefahrzeug an der Spitze, gefolgt von Tanklöschwagen und zwei baugleichen Rettungsfahrzeugen. Insgesamt sechs Dieselpowerpacks (6-Zylinder-Turbomotoren mit Turbogetriebe) von MTU (jeweils zwei im Gerätefahrzeug und den beiden Rettungsfahrzeugen) mit zusammen 3.182 PS (2.340 kW) treiben den rund 83 Meter langen Zug an. Anhängelasten von 940 Tonnen können eine Steigung von 2,7 Prozent hinaufbewegt werden. Die Lokführerstände sind druckdicht, damit keine giftigen Gase von außen eindringen, und verfügen über eine Atemluftversorgung. Von hier aus steuert der SBB-Lokführer bzw. -Feuerwehrmann nicht nur den Zug, sondern auch die Löschtechnik. Im Notfall geht es mit Tempo 100 zum Einsatzort. Dort angekommen, wird der LRZ falls nötig aufgeteilt.
Gerätefahrzeug, Tanklöschwagen und zwei baugleiche Rettungsfahrzeuge zählen zur Formation des „LRZ 2018“. (Foto: Windhoff Bahn- u. Anlagentechnik/Rheine)
Der Zug bietet Platz zur Evakuierung von bis zu 120 Menschen. Er ist mit einer leistungsstarken Löschanlage ausgerüstet und verfügt über zahlreiche Geräte zur Technischen Hilfe. (Foto: Windhoff Bahn- u. Anlagentechnik/Rheine)
45.000 Liter Wasser für die Brandbekämpfung
Mit dem vorderen „Modul“, bestehend aus Gerätefahrzeug und angekuppeltem Tanklöschwagen, übernimmt die Mannschaft die Brandbekämpfung. Im Maschinenraum des Löschwagens - er ist nicht selbstfahrend, sondern als Steuerwagen ausgeführt - arbeitet ein 6-Zylinder-Dieselmotor von Deutz mit 324 PS (238 kW), der das angeflanschte Pumpenaggregat (Typ Vogt/Schweiz) antreibt. Die Normaldruckpumpe leistet 6.000 Liter pro Minute bei zehn Bar Ausgangsdruck, während das Hochdruckaggregat für eine Leistung von 500 Litern pro Minute und 40 Bar Ausgangsdruck ausgelegt ist. Eine Schaummittelpumpe, die max. 500 Liter pro Minute fördert und eine Zumischrate von bis zu sechs Prozent gewährleistet, ist ebenfalls vorhanden. 45.000 Liter Wasser und 1.500 Liter Schaummittel werden im Tanklöschwagen mitgeführt.
Um das Löschmittel auszubringen, gibt es zwei Wasser-/Schaummonitore (Leistung jeweils 2.400 Liter pro Minute bei acht Bar Ausgangsdruck), die sich auf den Dächern der beiden Schienenfahrzeuge befinden, und zwei weitere Monitore, die jeweils im Frontbereich installiert sind (Leistung jeweils 800 Liter pro Minute bei acht Bar Ausgangsdruck). Mit den Dachwerfern können Wurfweiten bis zu 70 Metern erreicht werden, sodass der LRZ auch bei Vegetations- oder Industriebränden abseits der Strecke zum Einsatz kommt. Sowohl das Gerätefahrzeug, als auch der Tanklöschwagen sind an der Fahrzeugfront mit Selbstschutzdüsen ausgerüstet. Die finden im Brandeinsatz, aber auch bei einer Sommer-Hitzewelle Verwendung, um die Gleise abzukühlen, damit die sich nicht verformen. Mit dem Kran samt Seilwinde (Typ Palfinger PC 3800), der sich am Heck des Gerätewagens befindet, kann zudem die Ausrüstung sicher auf- und abgeladen werden. Neben einer Tragkraftspritze (Leistung 800 Liter pro Minute bei acht Bar Ausgangsdruck) befindet sich umfangreiches Equipment zur Technischen Hilfe an Bord. Dazu zählen Rettungsschere und –spreizer, Rettungskettensäge und Trennschleifer sowie ein Schienenrollwagen für den Transport.
Dach- und Frontmonitore sind ebenfalls geeignet, um Löschmaßnahmen entlang der Strecke durchzuführen. (Foto: Windhoff Bahn- u. Anlagentechnik/Rheine)
1,98 Millionen Liter Atemluft
Das hintere „Modul“ ist für die Personenevakuierung ausgelegt. Diese Aufgabe übernehmen die Betriebsfeuerwehrleute mit den beiden baugleichen Rettungsfahrzeugen - sofern nötig im „Shuttle-Verkehr“. Der außenluftunabhängige Hauptraum des Rettungscontainers von Dräger steht unter Überdruck, um einen Gaseintritt von außen zu vermeiden. Von der Rettungsplattform aus, die mit zwei Schwenkarmen samt Kettenzug versehen ist, geht es in den Schleusenraum und danach weiter in den druckdichten Container. Er bietet Platz für etwa 60 Personen oder 40 Personen und sechs Liegen, sodass mit dem LRZ maximal 120 Menschen in Sicherheit gebracht werden können. Zur Ausrüstung des Rettungsfahrzeugs zählen Krankentragen, Vakuummatratzen, Sanitätsmaterial und Fluchthauben, aber auch 20 tragbare Atemschutzgeräte und die persönliche Schutzausrüstung (PSA) der Mannschaft. Der gesamte Atemluftvorrat des Lösch- und Rettungszugs beträgt 1,98 Millionen Liter. Er wird in 132 Speicherflaschen mitgeführt, die ein Volumen von jeweils 50 Litern haben und einen Fülldruck von 300 Bar aufweisen. In den Innenräumen und auf den Plattformen des LRZ sind zudem Anschlüsse für die Atemluftversorgung vorhanden. Daran können die Atemschutzmasken oder die tragbaren Atemschutzgeräte (mit Geber- und Nehmerschlauch) angeschlossen werden.
Am 16. Februar 2026 rückt die „SBB Feuerwehr-Intervention“ im Kanton Wallis mit dem LRZ aus, nachdem eine Regionalbahn entgleist ist. Fünf Menschen werden verletzt. Vermutlich hat eine Lawine das Unglück ausgelöst. (Foto: Kantonspolizei Wallis)
24-Stunden-Schichten
Der Standort Zürich Hauptbahnhof der „SBB Feuerwehr – Intervention“ zählt 21 Mitarbeitende. Eine Dienstgruppe der Betriebswehr, bestehend aus mindestens vier Feuerwehrleuten, ist ständig vor Ort. Ihre Schicht beginnt jeweils um sieben Uhr morgens und dauert 24 Stunden. Im Verlaufe des Tages übernimmt die Mannschaft Unterhalts- und Reinigungsarbeiten. Daneben gibt es Weiterbildungen, Übungen und Übungsfahrten. Der nicht aktiv genutzte Teil des 24-Stunden-Dienstes gilt als Bereitschaftszeit. Im Alarmfall rücken zwei Offiziere auf der Straße aus. Wenn nötig, erfolgt zeitgleich der Einsatz des LRZ. Eine vierköpfige Besatzung, bestehend aus Gruppenführer, Triebfahrzeugführer und zwei Feuerwehrleuten, ist ausreichend, um das Gros der Einsätze abzudecken. Bei größeren Schadensfällen wird das Team von der Berufsfeuerwehr Zürich (Schutz und Rettung Zürich) unterstützt.
Statistik
Im Jahr 2024 leistete die „SBB Feuerwehr-Intervention“ landesweit 9.718 Einsätze – etwa gleich viele wie 2023. 1.491 Einsätze betrafen Personen, 148 Entgleisungen, 134 Gefahrgüter und 3.682 Tiere. 402 Brände und 1.145 Hilfeleistungen sind in der Statistik darüber hinaus aufgeführt. (Redaktion: kfv-herford.de)
-Vo-
Gerätefahrzeug (Abb.: SBB)
Tanklöschwagen (Abb.: SBB)
Rettungsfahrzeug (Abb.: SBB)
Hinweis: Der KFV Herford benötigt ständig interessante Fahrzeugfotos der Feuerwehr und übrigen Hilfsorganisationen zur Aktualisierung seiner Internetseite. Bildzusendungen unter Nennung des Urhebers an: